Wir Kinder vom Bahnhof Dinslaken – Bürgerentscheid, die Zweite.

 

 

Die Vorgeschichte zu diesem Artikel darf der geneigte Leser sich hier zu Gemüte führen.

 

Wann hat jemals Fortschritt mit das haben wir immer so gemacht begonnen? Was hat der Bürgerentscheid zum Bahnhofsvorplatz Dinslaken mit dem Bestseller zu tun? Wer hat mehr Eigentore geschossen als Niklas Süle? Und was zur grünen Hölle ist denn jetzt die richtige Antwort am 10.06.2018?

29.05.2018 – Bürgerdialogabend im Rathaus der Stadt Dinslaken.

Von mir mit Spannung erwartet, vom Wetter mit Donnergrollen, Blitzen und Platzregen bedacht. Ein Omen?

 

Die Vertreter der Stadtverwaltung sitzen bereits mit angestrengter Miene auf der Anklagebank, pardon – vor Kopf des Plenums, als ich um 18.28 Uhr in den Ratssaal einschwebe. Warum mir als erstes das Bild einer Gerichtsverhandlung in den Sinn kommt, wird bereits bei der schwierigen Sitzplatzsuche deutlich. In den gutgefüllten Stuhlreihen sind nur vereinzelt Lücken, die Luft ist nicht nur durch das draußen immer wieder aufflackernde Gewitter gespannt.

 

Für diejenigen, die sich noch nicht besonders mit dem Thema auseinandergesetzt haben, erläutert Dr. Thomas Palotz den Ist-Zustand sowie die aktuelle Planung. Für meinen Geschmack sind die gezeigten Folien zu unpräzise – das kommt wohl davon, wenn man mit einem Qualitätsmanager zusammen ist, eigentlich hätte ich gesagt: super-simple Skizzen mit wenig Schnickschnack, übersichtlich … Jetzt aber verdreht sich mein Normen-Auge, das andere schaut genauer hin, ob sich Gehörtes und Gesehenes in Einklang bringen lassen.

 

Vorweg heißt es seitens der Stadtverwaltung, dass man bei aller Planung ein integriertes Handlungskonzept anstrebt und keine isolierten Maßnahmen. Die Trias aus Güterbahnhof, Bahnhofsgebäude und Vorplatz ist Gegenstand der „Überlegungen“, wie Bürgermeister Dr. Heidinger betont. 

(Nebenbei: Ich hab ja selten Mitleid mit Politikern, aber als er – ein Lapsus? – als Herr Haider angesprochen wurde, weckte das doch ein leises „Autsch“ bei mir …)

 

Seit 2011 ist also bekannt (wem?), dass „funktionale Defizite“ abgebaut werden sollen. Nicht ganz unclever, zieht Dr. Thomas Palotz hier das Beispiel der jüngst fertiggestellten Bahnstraße und des Neutorplatzes samt Galerie heran. Für mich wirkte das wie „seht her, das haben wir doch schick hinbekommen, das können wir beim Bahnhof auch schaffen, wenn man uns lässt“. Die Anforderungen an ein Mobilitätszentrum mit mehr als 23.000 Besuchern (lt. Statistik des VRR) sind aber andere als die an eine Neben-Einkaufsstraße – oder?

 

Ja. Natürlich. Und glücklicherweise wird deutlich, dass man das (inzwischen) auf dem Schirm hat. Auf der Präsentationswand hat man in diesem Moment den Paradebeispiel-Unfall, der der Stadtverwaltung offenbar wie gerufen kam, um das Thema Sicherheit ein wenig zu pushen. Zumindest wirkt es auf mich so, besonders im Nachhinein, da zu den später mehrfach gestellten Fragen zur Unfallstatistik keine konkreten Zahlen genannt worden sind. Diese sollte man parat haben, wenn man in den Folienfokus ein Unfallschild stellt und auf Gefahrenpotentiale hinweist. Ich möchte an dieser Stelle betonen: Ich bin ein Freund von safety first, wo Gefahren sind und erkannt werden, sollte man sie mit angemessenen Mitteln beheben. Wo aber nicht nachgewiesen werden kann, dass dort Unfälle geschehen sind, möge man diese Potentiale auch nicht als Unfälle bezeichnen. Die Deutsche Sprache ist nicht nur wegen ihrer komplizierten Grammatik so schwierig zu erlernen, sondern auch, weil es gerade im verbindlichen Amts-/Juristendeutsch ganz wesentliche Unterscheidungen bei Worten gibt, die wir im Alltagsgebrauch synonym verwenden. [Mein Lieblingsbeispiel ist hier übrigens Eigentum und Besitz.] Unfreiwillig komisch wurde es dann, als Dr. Palotz im Hinblick auf die verletzten Fahrgäste meinte: „Das kann man zukünftig verhindern!“ Ich wittere den Nobelpreis für Physik.

 

Bei der Parkplatzsituation findet man dann aber eindeutige Worte: Defizitär und mangelhaft. Der Verweis auf die nahezu hundertprozentige Auslastung ab den frühen Morgenstunden bis in den späteren Abend wird zwar nachher durch eine Stichprobe eines Bürgers rudimentär widerlegt, aber das wissen die Zuhörer in diesem Moment ja noch nicht. (Huch, gespoilert. Sorry.)

 

Die Stadtverwaltung wirft an dieser Stelle noch mal kurz die unbedingte Barrierefreiheit bis 2021 ein. Mir entweicht ein „Eieiei“, das außer meinen direkten Sitznachbarn wohl niemand vernommen hat. Sportliche drei Jahre bleiben also noch. Kurz mal an BER, Stuttgart 21 und die Elbphilharmonie gedacht, schnell wieder vergessen und schon sind wir beim Fahrradparkhaus mit seinen (aktuell geplanten) 120 Stellplätzen und der Parkpalette mit Platz für 160-200 Fahrzeuge. Noch wird man seitens der Stadt nicht müde zu betonen, dass das alles nur Planungen und Schätzungen sind. Aus den Gesprächen vom Planungstag am 05.05.2018 auf dem Bahnhofsvorplatz habe man bereits 120 Ideen und Anregungen erhalten, von denen einige auch in die Planung bereits einbezogen worden sind. So unterscheidet sich denn auch die ein oder andere Folie an diesem Abend marginal von der bisher downloadbaren Präsentation.

„Der Bürgerdialog soll im gesamten Planungsprozess weitergeführt werden.“

Lasse ich mal so stehen.

 

Die Verweilsituation (a.k.a. das Warten am Bahnhof) und die gesamte räumliche Situation sollen verbessert werden, die Neuordnung der Verkehrsströme soll die unterschiedliche Begegnung aller Verkehrsteilnehmer regeln. nachdem ich den zweiten Teil des Satzes notiert hatte, wusste ich allerdings schon nicht mehr, ob das echt so kauderwelschig formuliert worden ist oder ob um diese späte Stunde (an einem für mich bis dahin schon arbeitsreichen Tag) einfach nur mein Hirnschmalz in der schwülen Hitze dahingeschmolzen ist. Alles in allem aber hieß es, dass die „grüne Anmutung“  – Dinslaken ist ja schließlich das grüne Tor zum Ruhrgebiet – die Verkehre nicht behindern soll.  Das Rendezvous-System am Busknotenpunkt und eine verbesserte (intelligente?) Ampelschaltung sollen für einen besseren Verkehrsfluss sorgen.

 

Hier stehen bisher gut 800 Wörter, gesprochen wurden mindestens fünfmal so viele und wir sind erst jetzt beim eigentlichen Dialog. Danke fürs Durchhalten bis hierher, lieber Leser. Du bist so tapfer!

„Kritische Fragen sind ausdrücklich erwünscht!“

Yippie – mein Bloggerherz schlägt höher. Jetzt wird es spannend, als Nervennahrung ein Schluck Bionade. Das mitgebrachte Popcorn – ursprünglich gedacht, um die Sache im Notfall anzuheizen – habe ich verschenkt, nach Knabbern ist mir in der Hitze ohnehin nicht mehr.

 

Dr. Marcel Sturm, Pressesprecher der Stadt Dinslaken, moderiert die Fragerunde nach dem halbstündigen Informationsteil gewandt und locker. Das vorherige Gemurmel und Gemurre im Saal verspricht eine lebhafte Diskussion, vielleicht auch hitzig. Wir werden sehen.

 

Vorläufig aber werde ich enttäuscht. Die erste Frage dreht sich nicht um „ja“ oder „nein“, sondern um den Busverkehr. Die Wege vom und zum Bahnhof werden durch die Verlagerung länger, eine Verstopfung der Wilhelm-Lantermann-Straße befürchtet. Zu Aspekt eins habe ich entweder die Antwort überhört oder es gab keine, der zweite Teil der Frage wird mit der beidseitigen Anfahrt der Buszone und einer verbesserten Ampelschaltung beantwortet.

 

Diese Neuregelung berge ein neues Gefahrenpotential, da sie die Pendler verwirren könnte, heißt es dann in einem Einwand. Die Fahrgäste wüssten heute, wo Gefahrenquellen seien beim Aussteigen, Busverkehr mit Ausstieg in Fahrtrichtung rechts aber Anfahrt von links würde dies erheblich verschlechtern.
Ich zucke zusammen. Echt jetzt? Fliegendes Spaghettimonster, schmeiß bitte Augen und Ohren vom Himmel. Vielleicht auch noch ein bisschen Denkleistung für diejenigen, die aus dem Bus aussteigen, damit sie sich umsehen, bevor sie weitertrotten. Was mich überrascht, ist die Reaktion der anderen Anwesenden, es gibt etwas Beifall für den Einwurf. Öhm – okay. Wir schaffen einfach die Eigenverantwortung ab und machen es wie die Lemminge.

Wenn mir das bitte jemand erklären kann?

Aus dem Dialog ergibt sich, dass die Verkehrszählung teilweise schon gelaufen ist, ob die daraus gezogenen Schlüsse umsetzbar sind, muss erst noch überprüft werden. Daher, und das wird seitens der Stadtverwaltung hervorgehoben, kann es in diesem Planungsstadium noch keine endgültige Lösung geben. 

Nichts Genaues weiß man also nicht.

Seufz. Dafür hätte ich auch zu Hause bleiben können. Ich steh nun mal, bedingt durch meinen Werdegang, auf Fakten. Aber vielleicht kommt ja noch was Spannendes.

 

Der Vorschlag, die Verkehrsführung an sich zu behalten und zu einer 6-km/h-Zone zu machen, kommt auf. Als Beispiel wird die Zone am Duisburger Stadttheater genannt. Diese kenne ich zu Genüge aus eigener Benutzung und kann mir das vor meinem geistigen Auge gut vorstellen. Dummerweise werde ich von dem Gedanken abgelenkt, ob sich dann auch die vielen Fahrradfahrer an die 6 Kilometer pro Stunde halten werden und verpasse fast die Antwort auf den zweiten Teil der Frage, ob nicht die beiden Kopfpunkte, die Kiss-and-Ride-Zonen, nur eine Verlagerung der Unfallpunkte werden würden.

 

Dr. Heidinger erläutert, dass es dort Vorfahr-Spuren geben wird, in denen man in Ruhe und barrierefrei seinen Koffer ausladen und zum Bahnhof gehen kann. Die Verkehrsströme sollen durch die zwei Anfahrtpunkte entzerrt werden, es gebe keinen Gegenverkehr bedingt durch eine Fahr- und eine Haltespur.

 

Ich bin wieder bei meinem Wunsch nach einer präzisen Skizze, weil so richtig kann ich mir unter „im Kreis fahren“ und dabei „keinen Gegenverkehr“ haben nichts vorstellen.

 

Ich fasse jetzt mal weitere Aussagen der Stadtverwaltung etwas zusammen, damit wir etwas zügiger an den Punkt gelangen, wo endlich mal Leben in die Bude gekommen ist.

 

Die Straßenbahn muss nicht mehr wenden, was die Beseitigung der Wendeschleife und die Einrichtung eines notwendigen Pausengleises ermöglicht.

 

Die Umgestaltung soll kein Stückwerk werden. Um möglichst viele Fördermittel zu bekommen, kann man nicht einzelne Teile herausnehmen, sondern muss ein ganzheitliches Konzept vorlegen. „Moderne Anforderungen an Mobilitätszentren müssen erfüllt werden. Integrierte Handlungskonzepte erhöhen die Wahrscheinlichkeit, Fördermittel zu erhalten.“ 

Ich übersetze: Nicht kleckern, sondern palotzen, ähm, klotzen.

 

Prinzipiell bin ich für ganzheitliche und langfristige Lösungen zu haben, nichts ist nerviger und sinnloser, als nach kurzer Zeit erneut eine Baustelle abarbeiten zu müssen, nur weil man es im ersten Anlauf nicht richtig gemacht hat. Schont auch nicht unbedingt den Geldbeutel. Aber das sind  just my two cents … Zum Thema Geld ausgeben, das man nicht hat habe ich ja im ersten Artikel bereits Position bezogen.

 

Die Zweiläufigkeit der Buslinien basiert auf einem Wunsch der NIAG, mit der man, ebenso wie mit der DVG, einen permanenten Austausch pflegt. Die Restriktionen, die sich unter anderem aus Schleppkurven und Bahnlängen ergeben, müssen in die Planung einbezogen werden, was insbesondere im Hinblick auf die priorisierte Barrierefreiheit diffizil ist und im Umkehrschluss Auswirkungen auf die Gestaltung hat.

 

Der Platz soll für Radfahrer „voll befahrbar“ sein, der geplante Fahrradturm eine sichere Abstellmöglichkeit und Erleichterung bringen. Es gebe an dieser Stelle Bedarf, der aber noch genauer untersucht werden soll, ebenso, welche Lösung sich nun schlussendlich andient. Die normale Abstellanlage soll in einer verbesserten Version erhalten bleiben.

 

Man kann den öffentlichen Verkehr nicht von der Bahnstraße ausschließen, eine reine Anwohnerzufahrt ist nicht machbar, da man die Stellplatzkontingente benötigt. Es soll allerdings Bewohnerparkscheine geben. – Sorry, hier bin ich geistig kurz ausgestiegen. Wenn nur die Anwohner reinfahren und dort parken dürften, bräuchte man keine Bewohnerparkscheine, oder? Wenn alle anderen trotz Bewohnerparkens dort parken dürften – mein Herz schreit nach einer Visualisierung. Aber da auch diese Sache noch nicht zu Ende gedacht und geplant ist, gibt es dazu keine Skizze. Ich möchte an dieser Stelle kurz noch was klarstellen: Ich bin Leser. Und haptisch-visuell veranlagt. Sprich: Was man mir auf der Tonspur vermitteln will, braucht in seiner Verarbeitung bei mir etwas länger. Man gebe mir Text oder Bild und ich bin sofort dabei – aus reiner Erzählung aber das herauszufiltern, was ich für eine Visualisierung im Kopf benötige … anstrengend. Besonders in der Sauna, pardon – im Ratssaal, nach einem bis dahin dreizehnstündigen Arbeitstag.

 

Immerhin verschiebt sich mein gedanklicher Knoten, als die Frage aufkommt, in welche Richtung die Busse eigentlich fahren. Und niemand eine genaue Antwort weiß. Und auch nicht auf die Frage, wie viele Busse sich im Maximalfall begegnen. Drei? Vier? Fünf? Und wann wurde überhaupt die Grünzone – die mit dem Brunnen – eingerichtet? Vor fünfzehn Jahren? Fünfundzwanzig?

 

Man kann bei einer solchen Veranstaltung als Stadtverwaltung nicht für jede Frage gewappnet sein.

 

Vor allem nicht, wenn noch nicht alle Erhebungen und Gutachten vorliegen, wenn die Planung wohl eher noch als Ideensammlung bezeichnet werden sollte, denn als amtlicher Bauplan. An diesem Punkt kommt mir wieder das Anklagebild in den Sinn. Und die poröse Verteidigung, die sich noch nicht mal auf Indizien sondern nur auf Ergänzungszeugen stützt. Man kann nun behaupten, dass die Stadtverwaltung durch Unwissen und Unverbindlichkeit glänzte. Wen das jedoch überrascht, der möge vortreten und eine Zusammenfassung, Analyse und Handlungsempfehlung verfassen, die sich empirischer Mittel bedient und einwandfrei ist.

 

Zurück zur kurzen Wiedergabe der getroffenen Aussagen. Es mag schockieren, aber wir sind nach nunmehr 1.900 geschriebenen Worten noch nicht am Ende. Wer ein Päuschen braucht, fahre kurz auf das Ruhegleis beim denkmalgeschützten Pavillon und verweile dort einen Moment. Die „Lüge!“-Rufe und Gemüts(üb)erhitzung kommen noch.

 

Für den Busverkehr wird eine Vorrangschaltung in Betracht gezogen.

 

Im Nachsatz, den Dr. Heidinger zu diesem sagt, spitze ich die Ohren. Diese sei nur möglich, wenn der Bürgerentscheid mit Nein ausginge. Weil?  Weil sie die Verkehrsführung beeinträchtigen/verändern würde, die bei einem Ja erhalten bleiben muss.

 

Ich erwarte eigentlich Zustimmung aus dem Saal, aber wie sich in der letzten Stunde bereits abgezeichnet hat, sind diejenigen, die mit Ja stimmen wollen, hier in der Überzahl. Oder die Nein-Sager verhalten sich auffällig ruhig.

 

Ein Durchstich zu einer Anbindung an Flächen nördlich des Bahnhofs wäre großartig, ist aber nicht machbar. Weder für Fußgänger noch für PKW. Die Fläche des Güterbahnhofs gehört der Bahn, auf den Stücken, die der Stadt gehören, wäre eine Anbindung nicht darstellbar. Mit der Bahn sei man seit 15 Jahren im Gespräch darüber, hier eine gute Lösung zu schaffen, aber aufgrund von Kontamination, der Anbindung an die Benteler-Werke und gleisbaurechtlicher Bestimmungen wird es hier auch (so vermutet man) in den nächsten 15 Jahren keinen Konsens geben. Auf den stadteigenen Flächen lassen sich auch keine Parkmöglichkeiten schaffen, da diese eine Enklave ohne Zugangs- bzw. Zufahrtsmöglichkeit wären.

 

Dafür ist aber eine Sonderverkehrsnutzung vor der ehemaligen Apotheke in die Überlegung genommen worden, wobei man sich seitens der Stadtverwaltung „bisher damit schwergetan hat“, die Sichtachse (das Wort ist nicht ausdrücklich gefallen, aber wir wissen alle, worum es geht) zu verbauen/verstellen/verhängen.

 

Über den geplatzten Kauf des Bahnhofsgebäudes wurde in der NRZ berichtet, die Aufarbeitung spare ich mir daher.

 

Welche Parkierungsflächen zu welchem Preis – sowohl in der Erbauung als auch in der späteren Bewirtschaftung – geplant sind, ist noch nicht festgelegt. Nein, ich habe nicht gepennt, das wurde auch nicht so ausgedrückt, aber auch zu Entstehungskosten der Parkräume als auch Kosten für Parktickets wird es erst in späteren Planungsstadien und nach eingehender Untersuchung konkrete Zahlen geben. Laut Dr. Heidinger gilt, dass wir dies als Bürgerschaft durch unseren Entscheid und die weitere Planung gemeinsam beantworten. „Bezahlbar soll es sein.“ Hoffentlich eher gemessen am unteren Pendlereinkommen …

 

Alle erhobenen Daten/Parameter der Verkehrszählung und Gutachten werden nach ihrer Fertigstellung noch während des Planungsprozesses für die Öffentlichkeit (auf verschiedenen Wegen) einsehbar sein und in die Planung einfließen.

 

Das klingt ja mal verbindlicher als so einiges davor …

 

Auf die Frage, ob der Bahnhofsvorplatz auch ganz anders gestaltet werden könnte, kam folgende Antwort:

 

Es handele sich um einen ersten Entwurf aus dem Planungsvorschlag [von Planorama], eine Grundlage unter Heranziehung von NIAG, DVG, Bürgervorschlägen und Betroffenenbeteiligung. Dies sei ein offener Prozess, der weiterhin offen bleibt. Ja, es gebe bestimmte Dinge, die konstitutiv seien, aber nicht das Detail betreffen.

 

Ich nicke wohlwollend, wenige andere mit mir. Die Skepsis überwiegt offenbar. Oder ist es das fehlende Verständnis?

 

Bei einer Ja-Entscheidung „kann die bisherige Planung eingestellt werden“, erklärt Dr. Palotz, weil ein Ja nicht zulasse, diese noch weiterzudenken.

 

Das ist mir ehrlich gesagt zu trotzig, besonders, weil er ein paar Sätze zuvor gesagt hat, dass die Planung der Stadt ein erster Entwurf sei, alles nur Skizzen, wie es werden könnte, und man sich auch andere Gedanken machen müsse.

 

Und jetzt erheben die Ankläger, pardon – Ja-Befürworter, die Stimme. Dass die Stadt im Ja-Fall nicht mehr planen könne, sei falsch. Es könne weitergehen. Zu behaupten, das Bürgerbegehren würde die Planung behindern, sei falsch. Parkhaus und Parkpalette seien nicht förderbar. Alle Möglichkeiten seien seit 2014 auf dem Tisch und nun versuchte man, in aller Schnelligkeit fertig zu machen.

 

Spulen wir noch mal kurz zurück. Bei einer Ja-Entscheidung „kann die bisherige Planung eingestellt werden“, erklärt Dr. Palotz, weil ein Ja nicht zulasse, diese noch weiterzudenken.

 

Öhm. Wo ist da die Lüge? Die bisherige Planung lässt sich tatsächlich nicht in einen Konsens bzw. Kompromiss bringen, weil sie eine Änderung der Parkplatzsituation nicht zulässt, die aber vorgesehen wäre.

 

Lieber Leser, bist du noch bei mir? Ich hoffe.

 

Ich mag keine Wischi-Waschi-Weichspüler-Aussagen und erst recht keine Verklausulierungen, bei denen aus einer 6 eine 9 wird und später eine 8, weil man sie übereinanderschiebt. Was ich aber noch weniger mag, sind platte Diffamierungen und unbelegte Anschuldigungen.

 

Parkhaus und Parkpalette dahingestellt, das kann mit und ohne Fördergelder ablaufen, davon abhängig, ob sie wirtschaftlich betrieben werden oder nicht.

Seit 2011 gibt es Bestrebungen, seit 2014 konkretere Planungen und in 2018 eine intensivere Einbindung des Bürgerwillens. Ob das Bürgerbegehren dazu nun beigetragen hat oder nicht, liegt nicht auf meinem Richtertisch. Der springende Punkt aber ist, dass bis Ende 2021 dieses Mobilitätszentrum barrierefrei sein muss. Anders als schnell kann man das nun nicht mehr lösen.

 

Da hilft auch kein Verweis darauf, dass die Stadtverwaltung an die Entscheidung vom 10.06.2018 nur zwei Jahre gebunden ist. Für diejenigen, die es nicht so mit Zahlen haben: Ab dem 11.06.2020, also anderthalb Jahre vor Fristende für die Barrierefreiheit, könnte die Stadt dann noch mal einen neuen Plan anbringen, der das Bürgerbegehren nicht mehr berücksichtigt. Wenn sie es denn schafft, den Planungsprozess so lange zu verzögern. Kleiner Tipp vom Laien: Es empfiehlt sich aber, vorher mit dem Buddeln anzufangen, wir wissen ja alle, dass sowas manchmal etwas länger dauert, als geplant …

 

Ein Statement dazu gibt es übrigens auch von Dr. Heidinger: Auch nach dem Ablauf der zwei Jahre wird man sich seitens der Stadt an die Entscheidung halten, da diese den Bürgerwillen spiegele.

 

Er gibt aber zu bedenken, dass die Chance auf Fördergelder erheblich sinke, wenn die Defizite – derzeitige Parkplatzsituation usw. – nicht behoben würden. Dies wiederum würde teurer für die Stadt. Er appelliert an die Bürger, mit Nein zu stimmen – „Wir wollen weiterplanen dürfen!“

 

Und da passiert es.

 

„Ich fühle mich erpresst von der Stadt.“

 

Eine Bürgerin, sie klingt weniger erzürnt als verunsichert, erklärte damit – besonders an Dr. Palotz gerichtet, dass sie nicht einsehe, warum die Stadt behaupte, nicht mehr planen zu können, wenn der Entscheid mit Ja ausfiele. Man könne ja um die jetzige Verkehrsführung herumplanen.

 

Vor und neben mir seufzt es. Allerdings überwiegt die Zustimmung im Saal. Ich denke: What the f**k? Wo war die Dame die letzten anderthalb Stunden und hat sie sich die Frage samt juristischer Konsequenzen mal zu Gemüte geführt?

 

Herr Dr. Palotz formuliert meinen Gedanken etwas charmanter und weist von sich, die Anschuldigung persönlich zu nehmen. Im gerade stattfindenden Bürgerdialog „werden engagiert Argumente ausgetauscht“, von denen jeder sich nehmen könne, was er zu seiner Entscheidungsfindung benötige.

 

Nebenbei: Ich empfehle der Dame bessere Nachtlektüre. Selbst in meinen Liebesromanen wird der Begriff der Erpressung korrekt verwendet.

 

So unterstreicht Dr. Heidinger auch, dass die Stadtverwaltung durch diesen Bürgerdialog ihrer Mitteilungs- und Informationspflicht nachkomme. Man wolle die aktive Bürgerbeteiligung, diese lasse sich jedoch wesentlich besser anhand eines konkreten Vorschlags diskutieren, an dem man konstruktiv weiter arbeiten kann. Vor dem Planungsausschreiben gab es eine signifikant geringere Bürgerbeteiligung als danach. Er betont, dass bei einem Ja kein einziger Parkplatz verändert oder weggenommen werden dürfe, die Verkehrsführung müsse ebenso bleiben wie bisher. Die rechtlich bindende Wirkung des Entscheids, die Entscheidung aller Bürger, muss umgesetzt werden.

 

Zur Verdeutlichung liest er noch einmal die Frage aller Fragen vor:

 

„Sind Sie für die Beibehaltung der derzeitigen Verkehrsführung sowie der Parkplatzsituation bei der Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes?“

 

Er erlaubt sich dabei leider einen kleinen Lapsus und fügt ein „exakt“ in den Satz ein, wo es nicht hingehört. Der Saal echauffiert sich, hat aber offenkundig keine Ahnung: Das „exakt“ kann sich der Jurist bei einer solchen Fragestellung sparen, denn gemeint ist der Status quo und den gibt es nicht in 50 Shades of hätte ich aber gerne. Also: Erst denken, dann dazwischenrufen.

 

Und dann ergreift noch ein Bürger das Wort, der eigentlich nichts hatte sagen wollen und dem ich in diesem Moment sehr dankbar bin, dass er eine kaum schöner zu ziehende Schlussfolgerung trifft:

 

„Man muss der Stadt die Möglichkeit geben, die Planung voranzutreiben. Es kann so nicht bleiben.“

 

Die Zustimmung im Raum ist verhalten. Einige Bürger sind bereits gegangen, es ist kurz nach neun. Die letzte Frage des Abends verhallt beinahe, ebenso die Antwort, dass die 14 Millionen Euro für das Projekt bereits im Haushalt etatisiert seien.

 

Und was nun? Nein! Ja! Oh?

  

„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ lebt von der einfachen Sprache und klaren Bekenntnissen, journalistisch aufbereitet und erzählt, aber durch seine Authentizität greifbar. Wir Kinder vom Bahnhof Dinslaken haben gestern wenig schmutzige Wäsche mit viel Weichspüler gewaschen, greifbar ist nur der Fakt, dass noch mehr Details offen sind als nur die Farbe der Klinker. [Für die Interpretation weiterer Anspielungen und Zusammenhänge steht sicherlich der Deutschlehrer des Vertrauens zur Verfügung. Ansonsten gern auch Mail an mich.]

 

Vom Bürgerdialog gestern Abend habe ich mir mehr Tacheles über das „Was passiert, wenn …“ gewünscht und bin enttäuscht, dass auch nach Ende der Veranstaltung offenbar nicht alle Teilnehmer wissen, was sie mit ihrem Kreuz bewirken. Naiv, ich weiß. Aber nach einer zweistündigen Diskussion über Details der Verkehrsführung und Nutzerfreundlichkeit, konnte es auch gar nicht mehr gezielt darauf hinauslaufen. Das ist weder die Schuld des Moderators, noch die der Bürger oder Stadtverwaltung. In einem Open-Range-Plenum muss man damit leben, dass sich der Fokus auf andere Dinge legt, als die, die man erwartet hat. Worauf dieser Entscheid hinausläuft, ist vergleichbar mit einem Urteil zweiter Klasse. Damit ist niemand zufrieden zu stellen. In einem Verfahren wie diesem, bei dem Aussage gegen Aussage steht – und damit beziehe ich mich eher auf die ermüdenden Diskussionen bei Facebook, also der Hidden Agenda – ist [gemäß BGH] davon auszugehen, dass der Belastungszeuge lügt und der Fall Schritt für Schritt aufzuarbeiten, bis im Umkehrschluss dem Angeklagten die Tat eindeutig zur Last gelegt werden kann. Hä?

Warum ich so unverständliches Zeug schreibe? Ich will verdeutlichen, dass die Befürworter des Bürgerentscheids immer wieder Behauptungen über den Wahrheitsgehalt der Aussagen der Stadtverwaltung aufstellen, ohne diese zu belegen, ihr aber gleichzeitig vorwerfen, keine belegbaren Informationen vorzulegen.

 

Versteht man mich, wenn ich da den Kopf schüttele und mich lieber auf Wir wissen es noch nicht konkret, aber wir arbeiten an Lösungen, die zukunftsorientiert und massenkompatibel sind verlasse, als auf Die Stadt arbeitet nach Gutsherrenmanier und täuscht Beteiligung nur vor, alles schon in trockenen Tüchern, wir bestimmen hier nichts, außer die Geschwindigkeit, mit der man uns über den Tisch zieht.?

 

Es gibt diverse Vorwürfe gegenüber der Stadtverwaltung, die zwar gewissermaßen öffentlich aber nicht offiziell erhoben werden, was den Erhalt einer verbindlichen Reaktion ausschließt. Das könnte die Diskussion von der Gerüchteküche in die Transparenz führen. Mangelt es dazu an fundierten Belegen oder am Willen?

 

Ich persönlich würde sowas ja auch erst mal aussitzen, leider erzeugt gerade dies ­– zumindest in den sozialen Medien – eine Meinungsbildung. Vorrangig über die spärlichen Planungsdetails, aber auch über die Untätigkeit bzw. fehlende Reaktionen der Stadtverwaltung.

 

Nun kann man nicht alles, was irgendwo irgendwie gesagt wird, kommentieren – schon gar nicht als Stadt, denn das würde vorhandene Kapazitäten sprengen. In diesem Fall schadet aber die einseitige Beschallung, gepaart mit geballtem Nichtwissen bei allen Beteiligten, der Sache. Wo kritische Fragen erwünscht sind, kann man sie stellen. Man kann die Wahrheit aber auch so lange dehnen, bis der Eindruck entsteht, es gäbe mehrere.

 

Am Rande bemerkt: Mangels Worten persönlicher Anerkennung, die in einem solchen Gespräch meines Erachtens erforderlich sind, blieb die Wertschätzung der Bürger seitens der Stadtverwaltung auf der Strecke, was die ablehnende Haltung der Anwesenden begünstigt haben mag. Dass man sich zu einem solchen Dialog nicht an einen runden Tisch setzt, ist verständlich, allein aber  durch die seltsam aufgebaute Front, die ich vorhin als Anklagebank bezeichnet habe, wurde jedoch eine Distanz spürbar, die dem Thema nicht gutgetan hat.

Es wirkte sehr wie: Hier sitze ich, ich kann nicht anders.

Dabei hätte man mit einer Fakten-Folie Das ist konstitutiv, das wiederum noch offen, da haben wir folgende Möglichkeiten den Ball eleganter im Spiel halten und sicherlich auch Punkte machen können.

Hätte, hätte, Fahrradkette.

Wo man den Verstand nicht erreicht, kann man es über Emotionen versuchen. Da hat aber offenbar unser Bürgermeister noch immer den Münsteraner (oder doch eher den Düsseldorfer?) im Herzen – so sehr ich ihm glauben möchte und sein Anliegen verstehe, Sympathien konnte er bei mir nicht wecken. Noch weniger Dr. Palotz, der den Eindruck eines ranicki-esken Trotzkopfes bei mir hinterließ, fehlte nur: Ich nehme das Ja nicht an.

 

Das ist übrigens der Bezug zu den Eigentoren, die ich eingangs erwähnt habe. Es liegt in der Natur der Sache, dass man eine Informationsveranstaltung nicht dazu missbrauchen darf, für die eigenen Interessen Werbung zu machen und es ist auch nicht Sinn und Zweck eines Meinungsaustausches, dass nachher alle mit derselben Meinung nach Hause gehen, weil die Gehirnwäsche so gut funktioniert hat. Bei aller Sachlichkeit aber – mit Ausnahme des Moderators – auch noch eher kühl und emotionslos zu bleiben, spielt an die Füße derer, die den Ball gut gebrauchen können. Oder aber eben direkt ins eigene Tor.

 

So. Von Torheiten jetzt mal abgerückt, denn es wäre eine solche, nicht zur Abstimmung zu gehen – wo mache ich denn nun mein Kreuz?

 

 

Eine von Vielen gestern herbeigewünschte Kompromisslösung, die offen gedacht und sich an den vorherrschenden Bedürfnissen orientiert, ist nur mit Nein möglich. Sagt die Stadtverwaltung. Bei einem Ja müssen die Verkehrsführung und Parkplätze so bleiben, wie sie sind.

So schlau war ich auch schon am 03.05.18, als ich den ersten Artikel dazu verfasst habe. Die Lernkurve ist also nicht so steil … die Motivation, dem Thema noch Aufmerksamkeit zu schenken und Ressourcen zu widmen, gesunken.

 

Zeit für ein Fazit.

 

Auch wenn mich gestern die Stadtverwaltung nicht überzeugen konnte, die Befürworter des Entscheids konnten es noch weniger – polemisches Poltern gegen pathologisches Pathos. Verschwörungstheorien gegen Verklausulierung. Spekulation gegen fehlenden Speck auf den Rippen.

 

Wie auch immer das Urteil hier ausfällt, es wird keiner Seite gerecht. Ob die Entscheidung am 10.06.2018 Gerechtigkeit herbeiführt, wird sich zeigen. Während dann diejenigen, die es als Politikum betrachten, sich wahlweise ärgern oder rühmen werden, wird das Zoon politikon mit dem leben müssen, was letztlich bei der Neugestaltung des Bahnhofs(vorplatzes) herauskommt, ob sein Bürgerwille nun umgesetzt wurde oder nicht. Denn es wird nicht allen Beteiligten rechtzumachen sein – bleibt nur zu hoffen, dass nicht aus dem kleinsten gemeinsamen Nenner das größte/teuerste gemeinsame Übel wird.

 

Wer mich auf der Veranstaltung gestern gesehen hat, weiß dass ich sowohl mit Befürwortern als auch Gegnern der Beibehaltung der Verkehrsführung und der Parkplatzsituation gesprochen habe. Mit allen nett und freundlich, kurze, charmante Treffen mit Menschen, die sich ebenso für die Sache interessieren, wie ich. Allerdings engagieren sie sich im Gegensatz zu mir auch organisiert dafür, politisch motiviert. Es ist gut, dass sich kritisch mit Plänen und Projekten auseinandergesetzt wird und nur, weil man sich in dieser Sache nicht einig ist, heißt es nicht, dass man es bei der nächsten nicht sein kann.

 

Daher wünsche ich mir, dass diese Menschen weiterhin konstruktiv miteinander und gegeneinander arbeiten, um in der Essenz das Beste für den Bürger herauszuholen.

Aber bitte: Mit fairen Mitteln, empirischen Daten, echten Fakten.

Wir besitzen übrigens eine sehr klare Muttersprache, in der man auch das weiß ich [noch] nicht eindeutig sagen kann und sich damit weniger angreifbar macht, als mit Bla-bla. Dann aber das Nachliefern bitte nicht vergessen … Wer sich in diesem Zuge (ha-ha, sie hat Zug gesagt) noch mit dem Unterschied zwischen übler Nachrede und Verleumdung auseinandersetzen mag, dem sei hier geholfen.

 

Ich hoffe, dass meine Nachlese nicht übel war und mir in der Wiedergabe des Sachverhalts keine Fehler unterlaufen sind. Zitate sind in Anführungszeichen wiedergegeben und nach bestem Wissen und Gehör. Halbe Anführungszeichen bedeuten, dass ich etwas in eigenen Worten wiedergegeben habe. Sollte ich etwas falsch erinnert haben, bitte ich um Hinweise und Verzeihung. 

 

Um es abschließend kurz und deutlich zu machen: Von mir gibt es ein Nein.

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