Ich versteh nur Bahnhof. Dabei fahre ich noch nicht mal Zug nach irgendwo …

Wie ich versuchte, mir selbst ein Bild vom Bahnhofsvorplatz zu machen, um Wissen darüber zu erlangen, worüber ich beim Bürgerentscheid eigentlich abstimme. Und warum ich am Anfang noch nicht einmal mehr Bahnhof verstanden habe, wo die Sache ja so einfach sein soll. Ja oder nein. Aber der Reihe nach.

 

Meine geliebte Heimatstadt  und das sage ich ohne jede Ironie  hat knapp 70.000 Einwohner (also so viele wie in Eschberg  huch, was für ein Zufall). Es gibt McDonald’s, Burger King, statt Starbucks haben wir die Kostbar und das Hiesfelder Kaffeestübchen, es gibt einen Eine Welt Laden und die Neutor Galerie, KSL und die heißeste Eisstock-Challenge nördlich des Äquators. Yeah! Und einen Bahnhof. Nicht-so-Yeah.

 

Wobei ... jetzt mal meine vollständige Expertise in diesem Punkt offengelegt: Ich hab ihn in den letzten zehn Jahren ein einziges Mal als Fahrgast Richtung Buchmesse genutzt, zweimal um Pakete abzuholen und zweimal als Treffpunkt, um einen Verkauf abzuwickeln. Nicht, was ihr jetzt denkt. Einmal hat jemand dort mein altes Auto abgeholt (und kam bis Hannover ... obwohl er nach Bremen musste) und das andere Mal bin ich dort mein altes Blackberry losgeworden. Immer im strömenden Regen vor der Tür. Weil ich nicht besonders gern in dieses düstere und unwirtliche Gebäude gehe. Aber das ist mein persönliches Problem. Und vielleicht noch das der Deutschen Bahn.

 

Aber ich bin ja brav und versuche, das konstruktiv und solidarisch zu sehen. Ich bin sicherlich nicht die einzige, die sich dort nicht wohl fühlt. Da ich aber weder Pendler bin, noch die Bahn für Fernreisen nutze, nehme ich das so hin. Es betrifft meinen Alltag einfach zu wenig. Ich kann und will mich nicht für oder gegen alles einsetzen, das irgendeinen meiner Lebensbereiche peripher tangiert.

Was mich aktuell aber berührt, ist die Auseinandersetzung um die Neugestaltung des Vorplatzes

Warum, wenn ich ihn so selten nutze?

Zwei der großen Verkehrsadern der Stadt verlaufen einen Katzensprung davon entfernt. Ich komme hier regelmäßig vorbei bzw. stehe oft genug hier an der Ampel. Das Areal liegt unter anderem auf dem Weg zu meiner Schwiegermutter. (Und hat aktuell bei mir ungefähr denselben Beliebtheitswert.)

Allem voran jedoch: Das Thema Bahnhofsvorplatz ist derzeit in Dinslaken allgegenwärtig. In den Facebook-Gruppen. In der Zeitung. Auf der Straße. Man kommt nicht drum herum. So wie im Reallife, irgendwann muss man da mal lang.

 

Im Nachgang zu meinem Ausflug in die Neutor Galerie wurde ich von Mitgliedern der Gruppe „Wenn du in Dinslaken aufgewachsen bist, dann …“ überdies gebeten, den Bahnhofsvorplatz unter die Lupe zu nehmen.

Nun lasse ich mir unbezahlte Aufträge ja nicht diktieren, aber da mich das Ganze gleichermaßen nervt wie interessiert, mache ich das hier pro bono und unparteiisch. Eigentlich sogar nur für mich, damit ich weiß, wo ich am 10.06. mein Kreuz setze. Verstanden? Fein.

 

So. Folgt mir dann bitte alle auf den Bahnhofsplatz, aber seid vorsichtig, hier fahren die Straßenbahn, Kraftfahrzeuge und Zweiräder. Rollstühle und Dreiräder. Und hier tummeln sich Fußgänger! Alle mir nach, nicht bummeln!

 

Wir machen uns jetzt gemeinsam ein Bild der aktuellen Situation. Klick. Tadaaaa. 

Meine Damen und Herren: This is the Bahnhofsvorplatz of Dinslaken.

 

Vermutlich wird es nie zum Weltkulturerbe reichen, auch wenn das Büdchen bereits denkmalgeschützt ist, aber immerhin hat diese Location es auf meinen Blog geschafft, muss man auch erst mal hinkriegen.

Rechts im Bild sieht man übrigens die Geschäftsstelle der Unabhängigen Bürgervertretung, direkt am Bahnhofsplatz.  Die UBV ist eine politische Partei. Ich weiß nicht genau, auf wen oder was sich ihre Unabhängigkeit beziehen soll, aber als direkte Betroffene des Umbauvorhabens des Bahnhofvorplatzes haben sie offenkundig eine Meinung dazu: Die Pläne der Stadt finden sie, pardon my French, scheisse.

 

Was für Pläne? Wovon redet/schreibt die Frau eigentlich die ganze Zeit?

Oh, ‘Tschuldigung. Schon knapp 600 Wörter auf dem Tacho und keiner weiß, worum es geht. Mea culpa, mea maxima culpa. Ich verlinke an dieser Stelle mal auf das Bauvorhaben Bahnhofsplatz, so wie es in der Präsentation der Stadt Dinslaken dargestellt wird.

 

Wer mag, kann sich die 50 Shades of Bahnhof zu Gemüte führen, mir war das beim ersten Durchscrollen etwas zu unübersichtlich. In der Uni hätte ich mangels Gliederung und wegen des fehlenden Exposés sicherlich massig Punktabzug bekommen. Aber immerhin: Hier werden Handlungsbedarfe benannt, erläutert und bebildert, was auf den zweiten Blick informativ und nachvollziehbar ist.

 

Die Bilder aus der Präsentation habe ich mal ausgedruckt und für mich veranschaulicht. Vielleicht hilft es euch ja auch.

 

Linkes Bild:

Die Buszone soll vorverlagert werden, direkt an die Wilhelm-Lantermann-Straße. Vom eigentlichen Platz wird der Kraftfahrzeugverkehrausgeschlossen, die Zubringerzonen sind durch die dicken grauen Punkte an denKopfenden der Bahnstraße (rechts) und des Bahnhofplatzes (links) zu erkennen.

 

Rechtes Bild:

Ist-Zustand. Der Kfz-Verkehr kreuzt an mehreren Stellen den des ÖPNV, man kann bis vor den Eingang des Bahnhofes fahren und in unmittelbarer Nähe für kurze Zeit parken.

 

Und wo, zum Bahnhof, ist jetzt das Problem?

Öhm. Ja. Keine Ahnung? Prinzipiell wirkt das Vorhaben durchdacht und stimmig. War ja auch ein renommiertes Planungsbüro mit beauftragt. Warum man also wegen einer Verbesserung der Verkehrssituation und Barrierefreiheit auf die Barrikaden geht, erschließt sich mir vor Ort nicht. Hm. Fokussiere ich falsch?

 

Mein Blick schweift also wieder nach rechts. Die UBV. Anrainer und Initiator des Bürgerentscheids gegen das Bauvorhaben Bahnhofsplatz.  Die müssten mir ihr Anliegen doch erklären können. Bevor ich die Straßenseite wechsle, sehe ich mir aber erst mal an, was es mit dem Bürgerbegehren auf sich hat, das durch die Unterschriften von 3.482 Dinslakenern erwirkt wurde, und am 10.06.2018 zur Abstimmung kommt.

 

Und ich zitiere ausnahmsweise mal wörtlich: „Die geplante neue Verkehrsführung sieht vor, dass man nicht mehr am Bahnhof vorfahren kann. Die Anfahrt soll nach den Plänen der Architekten nur noch über die Bahnstraße erfolgen. Nach Meinung der UBV würde dies zu einer schlechten Erreichbarkeit des Bahnhofs, insbesondere für ältere und behinderte Nutzer sowie Berufspendler führen. Die vorgesehene Umgestaltung werde eine Verkehrskonzentration im Bereich der Wilhelm-Lantermann-/Bahn- und Wielandstraße und damit eine zusätzliche Lärm- und Abgasbelastung der Anwohner zur Folge haben. Die angespannte Haushaltssituation lasse Investitionen hierfür in Millionenhöhe mit den zu erwartenden Folgekosten nicht zu.

 

Die UBV sei nicht grundsätzlich gegen eine Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes etwa zur Erstellung der Barrierefreiheit oder um kleine Verschönerungen zu erreichen. Baukosten von acht Millionen Euro verstehe bei dieser Verkehrsführung aber kein Bürger mehr. Vorrangig gehe es aber darum, die jetzige Verkehrsführung zu erhalten. Den Verkehr vom Platz zu nehmen sei nicht bürgerfreundlich.“ [ abgerufen am 02.05.18, 22:00]

Wir lassen das mal sacken, hm?

141 Wörter … Ihr ahnt, auf welche drei sich nun alle diskussionsfreudigen Teilnehmer des selbstgeschaffenen Plenums stürzen?

 

Acht Millionen Euro. Bei der derzeitigen Haushaltslage der Stadt, die überdies noch den Erwerb des Bahnhofsgebäudes in Betracht zieht, klappt Peter Zwegat kopfschüttelnd sein Flipchart ein. Scheinbar ist hier nichts und niemandem mehr zu helfen. Hüben wie drüben. Denn das Loch im Stadtsäckel kommt nicht von ungefähr.

630.000 Euro nicht bezahlte Kitabeiträge, sowie 4,7 Mio Euro offene Gewerbesteuer und 2,7 Mio Euro nicht entrichtete Grundsteuer. Warum diese Beträge nicht gezahlt wurden, lasse ich mal dahingestellt. Ich vergleiche gerade Äppel und Birnen. Ja. Aber wenn man mal überlegt, was die Dinslakener der Stadt schulden und wofür … ich hüstele mal einfach vor mich hin. [abgerufen am 02.05.18, 23.03 Uhr]

 

Hinzu kommt, dass die Stadt Dinslaken das Bahnhofsgebäude erwerben und modernisieren will. An sich keine schlechte Idee, der Schuppen hat es wirklich nötig, dass da mal jemand mit dem Hochdruckreiniger durchfeudelt. Finanziert werden soll dies durch Fördergelder; die obligatorische Vermietung an die Deutsche Bahn soll dann wiederum Geld  zurück in die Kassen spülen. Nach dem Desaster mit dem Aufzug, der über Jahre nicht vorhanden war und dann auch nur eingeschränkt funktionierte, wirkt das erst mal wie ein kluger Schachzug. Die Stadt ist nicht nur rein räumlich wesentlich näher an den Nutzern und deren Bedürfnissen dran als die Bahn, für die dieser Bahnhof nur einer von vielen ist. Für Dinslaken ist es der einzige – und wenn der Stadt in puncto Barrierefreiheit und Sicherheit nicht mehr die Hände gebunden sind, hach … wer weiß, was dann passiert?

 

Ob die Deutsche Bahn das Gebäude überhaupt verkauft und wenn ja, wann, ist seit Erscheinen des oben verlinkten Artikels im Jahr 2015 noch immer  nicht hundertprozentig klar. Eins wissen aber alle Beteiligten: Bis 2022 muss der ÖPNV barrierefrei sein.

 

Insgesamt belaufen sich die geschätzten Kosten des Projekts Bahnhof übrigens inzwischen auf ca. 12,7 Millionen Euro.

(K)Ein Grund zu moppern!?

Mal unter uns – und das tatsächlich als offene Fragen: Was wäre denn, wenn nichts gemacht wird und die Stadt sich das Geld komplett spart? Oder wenn „mal wieder nur“ halbe Lösungen umgesetzt werden, weil man tatsächlich den Gürtel enger schnallt. Und dann passiert was. Oder nix.

 

Gern mal nen Moment darüber nachdenken. Danke.  Denn der nächste Holzhammer kommt bestimmt.

 

Ausgerechnet jetzt hat der Kreistag der Stadt Dinslaken ab 2020 die Zuschüsse für die Straßenbahnlinie 903 gestrichen, die vom Duisburger Süden kommt und hier ihren Wendepunkt hat. Betrieben wird die Linie von der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG), seit über 100 Jahren. Kurz mal reingeworfen: Auch ich bin zu Zeiten, in denen ich noch keinen Führerschein hatte, regelmäßig mit der 903 sowohl in die eine als auch in die andere Richtung gefahren. Wie schon meine Eltern, Großeltern und sogar meine Urgroßmutter.

Sag niemals nie …

 … aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen – und ich behaupte mal ganz frech, dass es mir an ein paar Dingen mangelt, an Phantasie jedoch nicht – dass diese Verbindung in Walsum am Watereck demnächst stehen bleibt. 


(Edit 04.05.18, 12:20 Uhr: Hier stand ursprünglich, dass es mangels Wendepunkt  für die Bahn nur weiter Richtung Dinslaken gehen kann. Es gibt diesen Wendepunkt jedoch, entgegen meiner Recherche. An meinem Standpunkt ändert das aber nichts.)

 

Daher hat der Kreis Wesel mit der Stadt Duisburg eine sogenannte Delegationsvereinbarung geschlossen, durch die sichergestellt wird, dass die Straßenbahn weiter ihren gewohnten Weg nimmt. Mal eben rechts ranfahren kann sie ja auch schlecht …

 

Die Kosten für die Unterdeckung soll nun wiederum die Stadt Dinslaken tragen. Eine Summe zwischen 500.000 und einer Million Euro – die hier, wie oben bereits erwähnt, nicht mal eben so offen rumliegen. Wie das Ganze weitergeht, bleibt abzuwarten. Die Verhandlungen zwischen Stadt und Kreis sind noch lange nicht abgeschlossen, auch an den Landtag wurde bereits eine Kleine Anfrage gestellt, um im Zuständigkeitsgeplänkel nun den Zahlungspflichtigen auszumachen.

 

Nichtsdestotrotz fühlen sich aber tatsächlich schon Mitbürger berufen, zu spekulieren, was passiert, wenn die Straßenbahn plötzlich nicht mehr bis zum Bahnhof fährt und dann ja die Schienen aus dem Bett gerissen werden können/müssen und eine völlig neue Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes erfordern/zulassen.

 

Als ich das gelesen habe, glaubte ich an einen Scherz. Mitnichten. Besagter Mitbürger meinte das jedoch todernst. Zwischen *headdesk* und *facepalm* erinnerte ich mich an meine gute Erziehung und dachte mir: Nein, darauf antwortest du jetzt nicht. Don’t feed the trolls. Wobei … Trolle meinen ja selten ernst, was sie schreiben. Ich konnte mir auch gerade noch verkneifen einen Aluhut zu basteln und weiterzureichen. (Was aber eher daran liegt, dass ich keine Alufolie mehr im Haus habe. #ausGründen) 

Ich führe dieses Beispiel hier auch nur an, um zu zeigen, welche Ausmaße diese Diskussion inzwischen annimmt. An den Beiträgen, seien es selbst verfasste Posts oder Verweise auf Zeitungsartikel, beteiligen sich regelmäßig zwanzig bis fünfzig Menschen mit manchmal mehr als hundert Kommentaren. Wer sich zum Thema informieren und eine Meinung bilden möchte, stößt auch auf diese Beiträge. Natürlich steht es jedem frei, zu interpretieren bzw. eigene Nachforschungen zu bemühen, zu werten und zu entscheiden. Es entsteht aber bei den Kommentaren mancher Zeitgenossen der Eindruck, dass genau dies vermieden werden soll. In wessen Hände das dann spielt, bleibt abzuwarten, denn ganz so doof sind glücklicherweise die meisten Leser nicht, auch wenn man sie gern dafür verkaufen würde.

Sich dabei auf die Weisheit des Alters und die Weitsicht dank Gleitsichtbrille zu berufen, ist in Zeiten der Allgemeinzugänglichkeit des Universalwissens übrigens nicht ganz so klug. Mit "das wird hinter verschlossenen Türen verhandelt, da kriegen wir alle doch gar nichts von mit" zu argumentieren noch weniger.

Im Gegensatz zur Straßenbahn in ihrem Schienenbett bin ich schon wieder abgewichen.

Und es tut mir aufrichtig leid. Das passiert bei dieser Diskussion aber auch den Beteiligten ständig. Vom Hölzken aufs Stöcksken, vom Hundertsten ins Tausendste.

Hängt ja auch alles irgendwo zusammen: Wenn ich den Baum fälle, stirbt auch das Blatt ab … Heißt übersetzt: Man muss sich das Umfeld ansehen und eine globale Lösung finden.

Dazu gehören ganz viele „Was passiert, wenn …“s, Analysen, Statistiken und Vergleiche mit anderen Modellen. Klare Aufgabe der Stadt. Zumindest in der Planung auch berücksichtigt. 

 

Im Zuge dessen hatte die Stadt Dinslaken also im Jahr 2015 einen Planungswettbewerb ausgeschrieben, den das Berliner Büro Planorama für sich entscheiden konnte. 

 

Dieser sieht nun eine Stilllegung des Verkehrs auf dem Bahnhofsvorplatz vor und eine Umwidmung dessen in einen Aufenthaltsbereich (siehe Skizzen oben). Mit einem „Teppich aus anthrazitfarbenem Klinker“. Mit Brunnen. Mit Busbahnhof. 

 

Ob die Dinslakener sich dort gern aufhalten wollen, hat vorher niemand gefragt. Das wurde wohl vorausgesetzt. Dafür wird die Möglichkeit der Mitbestimmung über die Gestaltung durch die Stadt inzwischen betont eingeräumt. Genau daran zweifeln aber die Initiatoren des Bürgerbegehrens und ihre Unterstützer, sie prognostizieren auf ihrer Internetseite, dass an der grundlegenden geplanten Verkehrsführung nichts mehr geändert wird und auch die Gestaltung von „Knotenpunkten“ bereits beschlossene Sache ist.  Ferner heißt es, dass die Stadt die Bürger zwar informieren werden wird, aber eine Mitbestimmung nicht vorgesehen ist.  

Hier liegt also der Hase im Pfeffer. Holt ihn da raus! Oder schiebt ihn in den Ofen.

Versäumnisse (ob gewollt oder nicht) der Vergangenheit werden nun als richtungsweisend für die Zukunft prognostiziert. Weil es im Vorfeld wenig bis kein Mitspracherecht für die Bürger gab, wird nun, speziell seitens der UBV, verbreitet, dass es das auch immer noch nicht gibt bzw. nicht geben wird. Genau dem widerspricht aber die Stadtverwaltung vehement.

 

Puh.

 

Was war zuerst da? Das Huhn? Das Ei? Die Mitbestimmung? Das Bürgerbegehren?

 

Nun kann man nicht jeden einzelnen der knapp 70.000 Bürger fragen und daraus einen Kompromiss schließen. Dafür leben wir in einer Demokratie, dafür haben wir unsere Vertreter gewählt, die in unserem Sinne mitbestimmen und gestalten. Es kann aber auch nicht sein, dass sich 70.000 Menschen zu Schildbürgern erklären lassen, nur weil in den Foren und auf der Straße gefährliches Halbwissen diskutiert wird!?

Der traurige Witz an der Sache:

In der oben erwähnten Facebookgruppe wird von den einen erklärt, dass nur wenn man mit Ja stimmt, die Pläne der Stadt noch mal revidiert werden, da diese zwei Jahre an diesen Entscheid gebunden ist. Und nur dann gäbe es die Chance zur Mitbestimmung durch den Bürger.

 

Und die anderen … erzählen es genau andersherum. Dass nur dann eine offene, konstruktive und zukunfts- wie lösungsorientierte (Weiter-)Planung möglich ist, wenn man für Nein stimmt.

 

Geil, oder?

Wo aber bekommt man nun ungefährliches Vollwissen her?

Die Internetseiten der Stadt und der UBV geben einen ersten Aufschluss:

 

Die UBV unterstellt der Stadt, den Bürger an der Nase herumzuführen und – im Falle einer Umsetzung des Plans – die Situation zu verschlechtern und dabei auch noch Steuergelder zu verschwenden, die bei der jetzigen Haushaltslage ohnehin nicht vorhanden sind.

 

Die Stadt wiederum setzt grundlegend auf die angestrebte Verbesserung der Verkehrssituation, die Optimierung des gesamten Areals und die damit einhergehende Weiterentwicklung. Der Tenor auf der unten verlinkten Internetseite ist eindeutig: Jeder nicht investierte Euro führt in den nächsten Jahren zu einem weiteren Verfall und weiteren Abschreibungen auf das Vermögen der Stadt Dinslaken (in Form von Gebäuden, Plätzen, Straßen)und ihrer Einwohner.

 

Auf der Internetseite der Stadt heißt es im Übrigen wörtlich [abgerufen am 03.05.2018, 13:40 Uhr]: „Entgegen anders lautender Behauptungen sind die Planungen selbst aber noch nicht abgeschlossen.“ 

Lass ich mal so für sich stehen.

Sind wir jetzt endlich informiert?

Nein, einen kleinen Haken hat die Sache noch. Im Gegensatz zur juristisch eindeutigen Definition von Eigentum und Besitz oder dem klaren Unterschied von scheinbar und anscheinend, gibt es in Dinslaken noch nicht mal ein einheitliches Verständnis von dem, was wir Bahnhofsvorplatz nennen.

 

 

Der Platz vor dem Bahnhof ist laut UBV 10.500 m² groß.

 

Das Bauvorhaben der Stadt erstreckt sich über 25.500 m².

 

Wieder eine offene Frage für euch: Denkt da jemand zu engstirnig oder sieht das jemand anderes zu ungenau?

 

Hier hänge ich mich geistig übrigens mit am meisten auf.  Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das als (gewolltes) Missverständnis von Flächen sehen will, um nachher einen Konsens auf beiden Seiten feiern zu können, der ggf. ohne Bürgerentscheid nicht nötig aber auch nicht möglich gewesen wäre.

 

Mich erinnert das alles übrigens an den Film Promised Land. Den Zusammenhang darf der geneigte Leser nun selbst herstellen und interpretieren, ich schweife zu sehr ab.

Das ist mir alles zu schwammig. Wann redet denn mal jemand Tacheles?

Wer "Butter bei die Fische" wünscht, hat verschiedene Möglichkeiten, selbst dafür zu sorgen, live und in Farbe.

 

Am 29.05.18 findet im Ratssaal um 18.30 Uhr eine öffentliche Dialogveranstaltung zum Thema statt, bei der der Planungsstand erläutert und Fragen beantwortet werden sollen. Aktuell gibt es von Seiten der Stadt die Möglichkeit, sich mittwochs von 11 – 13 Uhr telefonisch unter 02064/66777 seine Fragen zum Thema beantworten zu lassen oder diese via E-Mail zu platzieren (ankommen@dinslaken.de).

 

 

Die UBV hat ihre Sprechzeiten am Bahnhofsplatz 2 am Dienstag von 10 -12 Uhr, donnerstags von 16 - 18 Uhr oder nach Terminvereinbarung, via Mail erreicht man sie unter info@ubv-dinslaken.de.

Ja, alles schön und gut, aber was ist denn also nun im Sinne der Dinslakener?

Erst einmal ist es eigentlich schade, dass allein die Dinslakener darüber abstimmen müssen/sollen, was mit dem Bahnhofsvorplatz geschieht, den auch viele Walsumer, Voerder, Hünxer und andere Pendler regelmäßig nutzen. Im Gegensatz zu mir. Mir ist das Areal ehrlich gesagt sowas von schnuppe, von mir aus kann man daraus ein Freibad machen. (Kleiner Insider unter Dinslakenern.)

 

Versteht mich nicht falsch, im Sinne der Solidarität, wie ich oben bereits erklärt habe, möchte ich beim Bürgerentscheid nach bestem Wissen und Gewissen abstimmen, auch wenn ich eine derjenigen bin, die davon vermutlich den geringsten Nutzen hat.

 

Durch Halbwissen, Spekulationen und Vermutungen wird das Desinteresse an so einem Entscheid aber (unbewusst) geschürt. Die bekannte Wahlmüdigkeit, gepaart mit Unsicherheit und dem Nichtwissen über Fakten, führt zu Verunsicherung, die wiederum in eine Null-Bock-Haltung mündet. Oder einer falschen Entscheidung.

Und damit meine ich nicht die Entscheidung, die einer der beiden Lager falsch erscheint.

Die Problematik in Sachen Bürgerentscheid ist leider nicht damit aus der Welt geschafft, dass alle wissen, wofür oder wogegen sie abstimmen. Sie müssen nämlich auch wissen, was ihr Kreuz bewirkt. Die Fragestellung in diesem Fall macht jetzt auch nicht unbedingt Bock drauf, das zu überlegen.

 

Und rein sprachlich ist die Formulierung da auch keine sonderliche Bereicherung. Ja, solche Sätze müssen juristisch einwandfrei und treffend sein, aber es wäre schön, wenn man im Vorfeld einwandfrei wüsste, ob jetzt Ja oder Nein die richtige Antwort für das ist, was man dazu empfindet. Zu viel drum herum geredet? Sorry.

 

Daher hier nun endlich die Frage aller Fragen (einen Tusch bitte, Frau Schwarz kommt endlich auf den Punkt):

Sind Sie für die Beibehaltung der derzeitigen Verkehrsführung sowie der Parkplatzsituation bei der Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes?

Sacken lassen. Bitte.

 

Und nu? Watt kreuzt man da an? Und watt passiert dann?

 

Ich mache an dieser Stelle noch einen kurzen Exkurs und lasse den Taxifahrer zu Wort kommen, der sich bereitwillig mit mir unterhalten hat.

 

Er verstehe nicht, wo genau er demnächst mit seinem Taxi stehen soll, wenn der Plan der Stadt umgesetzt wird. Irgendwo rechts bzw. links  neben dem Gebäude, wo aber auch die privaten PKW Fahrgäste ein- und aussteigen lassen können, meint er. Da, wo eine Einbahnstraße eingerichtet werden soll, und es doch ohnehin schon viel zu voll und eng ist, wenn man sich auf der Hauptstraße wieder in den Verkehr einordnen will.

 

Als Taxifahrer ist für ihn die Neugestaltung oft und auch in der Tiefe ein Thema, aber so richtig sicher, was man davon halten soll, sei sich keiner der Fahrgäste und Kollegen, wie er sagt.  Ihm würden eine Verschönerung, Barrierefreiheit, etwas mehr Übersichtlichkeit und damit mehr Sicherheit schon reichen.

 

Es klingt wie die Angst vor dem Neuen, dabei ist es Sinnbild einer bisher schlechten Aufklärung und eines fehlenden Dialogs mit denen, die es betrifft. Täglich. Bei Wind und Wetter. Am Ende im Geldbeutel.

Für was stimmt der Taxifahrer denn nun ab?

Er ist gegen den Plan der Stadt. Also will er Nein ankreuzen.

 

Um die Frage für sich richtig zu beantworten, müsste er aber mit Ja stimmen.

 

Und um die Verwirrung auf die Spitze zu treiben: Wenn er Nein ankreuzt, macht er laut Stadt das, was seinem Ansinnen entspricht.

Wie kommt das? Das ist doch Blödsinn!

Kann man so sehen. Man kann aber auch die Frage des Bürgerentscheids noch mal genau lesen. Sind Sie für die Beibehaltung der derzeitigen Verkehrsführung sowie der Parkplatzsituation bei der Neugestaltung des Bahnhofvorplatzes? 

Klartext:

 

JA

 

Ich will, dass der Verkehr vor dem Bahnhof weiterhin so geführt wird, wie er jetzt ist. Wenn der Bahnhofsvorplatz neu gestaltet wird, muss das unbedingt so bleiben. Eine Neugestaltung des restlichen Areals unter Einbindung des Bürgerwillens soll dennoch erfolgen. Die Parkplatzsituation vor dem Bahnhof (und wirklich nur davor) muss beibehalten werden.  

 

 

NEIN

 

Ich will nicht, dass die jetzige Verkehrsführung vor dem Bahnhof unbedingt so erhalten bleibt. Eine Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes soll unter der maßgeblichen Berücksichtigung des Entwurfs von Planorama in Abstimmung mit den Wünschen der Bürger erfolgen. Die Parkplatzsituation vor dem Bahnhof ändert sich entsprechend, Ausweichlösungen sind fest vorgesehen.

 


Man korrigiere mich bitte, sofern die Erläuterungen falsch/fehlerhaft sind.

Fazit

That's it. So weit zumindest. Wer jetzt enttäuscht ist, dass ich keine klare Position beziehe und glaubt, es liege daran, dass ich mir nicht die Finger schmutzig machen oder den Ruf versauen will: Dadöööm.

 

Ich werde mich an dieser Stelle herausreden und mich nicht klar zu einem der beiden Standpunkte bekennen. Und ich werde mich dafür auch nicht rechtfertigen. Allenfalls erklären: 

Der Stand der Dinge, wie sie hier im Artikel erläutert sind, ist vom 03.05.2018, es sind also noch knapp sechs Wochen bis zum Entscheid. Zeit genug für Gegner und Befürworter, durch bessere Aufklärung mehr Klarheit zu schaffen. 

Ich für meinen Teil werde das Gesprächsangebot beider Seiten nutzen, um meinen Eindruck zu schärfen. Bei Interesse werde ich diesen Artikel hier darum bereichern. 

 

Wer mich bereichern möchte, kann dies entweder durch einen Kommentar oder eine Mail tun, gern darf auch fleißig in meinem Shop eingekauft werden ... Vibratorkatzen kann schließlich jeder tragen. Egal, ob er für oder gegen die geplante Verkehrsführung ist. Hihi. Sie hat Verkehr geschrieben ...

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Kommentare: 19
  • #1

    Jens (Freitag, 04 Mai 2018 12:16)

    Danke für den Blogbeitrag. Allerdings, es gibt die Möglichkeit für die Straßenbahn am Watereck wieder in die andere Richtung zu fahren. Dort ist ein dritter Schienenstrang, auf den die Bahn fahren kann um dann wieder in Richtung Duisburg zu entschwinden. Macht überigens dort jede zweite Bahn der 903 so

  • #2

    Tobias Findeisen (Freitag, 04 Mai 2018 12:17)

    Hallo Larrisa

    zur 903 und einem Zitat [...] dass diese Verbindung in Walsum am Watereck demnächst stehen bleibt.

    Also ich meine, (ist schon lange her das ich mal Strassenbahn gefahren bin) das gerade dort am Watereck eine Ausweichstelle ist, an der der Zug die Richtung wechseln kann, also so sicher wäre ich mir nicht, das man Dinslaken als Wendestelle braucht.

  • #3

    Larissa Schwarz (Freitag, 04 Mai 2018 12:18)

    Danke für die Info. Editiere ich sofort.

  • #4

    Frawibu (Freitag, 04 Mai 2018 12:34)

    Großartig geschrieben und es kann zur Entscheidungsfindung beitragen. Was mich in Dinslaken stört ist, dass das eine Desaster (Stadthalle) noch nicht begonnen wurde, man bereits am nächsten arbeitet. Und die Ausmaße in denen geplant und Steuergelder ausgegeben werden. Offensichtlich begreift man in der Verwaltung nicht, das Dinslaken eine liebenswerte Kleinstadt ist und die Menschen genau deswegen hier leben möchten. Es bedarf keinerlei Leuchturmprojekte, wo Kosten/ Nutzen dermaßen am Bedarf vorbei gehen.

  • #5

    Claudia (Freitag, 04 Mai 2018 12:34)

    Chapeau, Larissa! Klasse geschrieben �

  • #6

    Larissa Schwarz (Freitag, 04 Mai 2018 13:24)

    Danke, Frawibu und Claudia!

    @frawibu:
    Ich befürchte, dass es zeitlich eine Überschneidung des geplanten Projekts Bahnhof (seit 2009) mit der Schließung der KTH (2015, relativ spontan) kam. Die Stadt äußert sich da etwas bürokratisch für meinen Geschmack, aber in diesen FAQ finden sich weiterführende Infos dazu:
    https://www.dinslaken.de/C12573FB0046035D/files/faq_kathrin-tuerks-halle_24.10.2017.pdf/$file/faq_kathrin-tuerks-halle_24.10.2017.pdf?OpenElement

    LG, Larissa

  • #7

    Ricarda (Freitag, 04 Mai 2018 13:37)

    Ok wow. Ich wohne ja nicht in Dinslaken aber ich will mal meinen Senf dazu geben. Ich finde, man sollte bei solchen Entscheidung immer gut aufgeklärt sein. Das heißt, was passiert wenn ihr für Ja stimmt, was passiert wenn ihr für Nein stimmt. Konsequenzen und Änderungen, was passiert, was ändert sich, gibt es andere Lösungen, was ist wichtig?! Man sollte gut aufgeklärt sein bevor man sowas entscheidet. Hier vielleicht ein krasses Beispiel: Wenn die Leute in GB besser aufgeklärt worden wären mit alles Konsequenzen und Lösungsansätzen, würde es dann den Brexit geben? Den Leuten sollte vor Augen geführt werden, dass sie eben nicht jammern sollen, wenn sich irgendwas ins unbequeme verändert, sie haben so entschieden und müssen eben jetzt damit Leben. Und die anderen müssen es eben so hin nehmen. So ist das Leben, man kann nicht immer das haben was man will. Wobei ich ja dafür wäre, zuerst das Bahnhofsgebäude freundlicher zu Gestalten und die Barrieren zu entfernen. So das ist mein Senf, vielleicht ist er ja brauchbar und nicht total daneben. �

  • #8

    Jens (Freitag, 04 Mai 2018 14:14)

    Grade am Bahnhof, anscheinend hat die Stadt einen "Info-Container" aufgestellt. Ist aber noch nicht begehbar. Jetzt werden die großen Geschütze aufgefahren....

  • #9

    Larissa Schwarz (Freitag, 04 Mai 2018 14:21)

    @Jens

    Ich würde mich ja gern damit schmücken und brüsten, Anlass dafür zu sein, aber der Termin für die Infomöglichkeit ab dem 05.05. war schon bekannt, bevor ich den Artikel veröffentlicht habe.

    Bin aber mal gespannt, was dort geschildert wird.

  • #10

    Judith (Freitag, 04 Mai 2018 15:12)

    Ich stelle mir immer wieder die Frage, wenn der Vorplatz PKW frei wird, wie soll dann das geplante Parkhaus erreicht werden?

  • #11

    Larissa Schwarz (Freitag, 04 Mai 2018 15:19)

    @Judith:

    Sieh mal, ob dir die Skizzen ab Seite 40 in dem PDF eventuell weiterhelfen: https://www.dinslaken.de/C12573FB0046035D/files/information_planungsidee_bahnhofsplatz.pdf/$file/information_planungsidee_bahnhofsplatz.pdf?OpenElement
    Wobei ich auch noch keinen Aufschluss darüber habe (man erhelle mich allseits gern), ob und inwiefern das Parkhaus schon zu Ende gedacht ist.

    Ob es dazu was im Info-Container geben wird? Weiß das jemand?

  • #12

    Jenny (Freitag, 04 Mai 2018 17:32)

    Nur eine kleine Anekdote zum Thema:
    Ich bin selber Pendler und fahre mit dem Zug zur Arbeit. Vor einiger Zeit saß mir ein älteres Ehepaar gegenüber. Sie las ein Buch, er kommentierte alles was er draußen sah (sie sagte aber immer nur "hm"...). Als der Zug in Dinslaken einfuhr sagte er ungefähr folgendes zu ihr: "Jetzt sind wir gleich in Dinslaken. Hier soll wohl der Bahnhofsplatz neu gemacht werden. Und stell dir vor da sollen dann keine Autos mehr fahren. Ein Bahnhof ohne Verkehr. Wer denkt sich denn so einen Mist aus?" Ihre Antwort: "Hmhm."
    Ich stieg mit einem Grinsen aus dem Zug aus. Die beiden blieben sitzen. Da sind wir also auch schon Gesprächsthema in anderen Städten...

  • #13

    PlattenRaider Twix (Freitag, 04 Mai 2018 19:47)

    Ich bin jeden Tag am Bahnhof. Wer verweilt dort? Wer mit offenen Augen hingeht sieht es.

    Ich befürchte, dass es ein "Berliner Flughafen" wird und es die Kosten massiv sprengen wird.

  • #14

    Lutz Vormann (Freitag, 04 Mai 2018 21:40)

    Also ich wäre für eine Bürgerversammlung auf dem Bahnhofsvorplatz unter Beteiligung des Bürgermeisters und der Planer. Seine Zustimmung oder Ablehnung kann der Bürger durch Tragen des entsprechenden Katzenshirts im Vorfeld kundtun.
    Das generiert zum einen Einnahmen (und damit Gewerbesteuer - aber gefälligst auch zahlen), zum anderen könnte der Austausch von Argumenten dazu führen, das der Platz dann eh grundlegenden Erneuerung bedarf *gg

  • #15

    Larissa Schwarz (Freitag, 04 Mai 2018 21:58)

    Ein Scherbengericht mit T-Shirts. Klingt gut.

    Den Nachweis über die selbstverständlich gezahlte Steuer würde ich dann auch öffentlich bekanntmachen. Eine Win-win-win-Situation. Großartig.

  • #16

    Jörg K. (Sonntag, 06 Mai 2018 16:08)

    Hallo Larissa,
    erstmal vielen Dank für Deine wirklich gute Recherche. Damit hast Du mir sehr viel Recherchetätigkeiten abgenommen, da du meiner Meinung nach sehr neutral darüber geschrieben hast.
    Ich habe tatsächlich über zwei Jahre am Bahnhof gewohnt (Feb 2014 - Nov 2016). Um genauer zu sein war mein "Eingang" zur Wohnung genau zwischen UBV und dem italienischen Restaurant. Ich hatte mir als Anwohner auch die Pläne in der Noutor Galerie angeschaut und war damals entsetzt.
    Seit November 2016 wohne ich nun nicht mehr am Bahnhofsplatz. Das einzige, was mich noch dorthin zieht, ist die Packstation.
    Zu der damaligen Zeit war die Parkplatzsituation allerdings schon mehr als problematisch.
    Gerade dann, wenn das Restaurant viele Gäste hatte, was relativ häufig vorkam. Da das Restaurant wirklich sehr gut ist, hatte man als Anwohner schon große Probleme, einen Parkplatz zu finden, um seine Einkäufe in die Wohnung zu bekommen. Nach den Plänen von Planorama fallen genau diese Parkplätze vor den Gebäuden weg. In meinen Augen eine Katastrophe für alle Anwohner!
    Freie Parkplätze, also solche, die man auch Mo-Fr vor 18:00 Uhr und Sa vor 14:00 Uhr frei und kostenlos nutzen kann, sind rar gesät. Ob es die freien Parkplätze nach der Umgestaltung noch geben würde, ist mehr als fraglich. Selbst wenn die Stadt in der Nähe des Bahnhofs ein Parkhaus plant, werden die Stellplätze sicherlich nicht frei sein.

    Ein weiterer Punkt ist die riesige Freifläche, die durch den Wegfall der Straße und der Busspuren vor dem Bahnhof entstehen würde. Meiner Meinung nach hat die Stadt noch nicht ausreichend erläutert, was damit/darauf passieren soll.

    Auch der Hinweis, auf die fehlende Klarheit über die Zukunft der Straßenbahnlinie 903 ist gar nicht so abwegig. Was passiert, wenn sich Kreis Wesel und die Stadt Duisburg nicht einigen können? Was geschieht dann mit den gerade erst neu verlegten Straßenbahnschienen?

    Ich habe für mich entschieden, dass die Planung für die Umgestaltung unter den gegebenen Umständen zu früh kommt. Abschreibung der Immobilien hin oder her.
    So, wie es bis jetzt ausschaut, werde ich mit JA stimmen, also dafür, dass der Vorplatz erst einmal so bleibt, wie er ist.
    Sollte die Stadt, oder der Planer nachbessern und die offenen Fragen beantworten, dann sollte noch einmal darüber diskutiert werden. Gerade die Freifläche vor dem Bahnhof hat meiner Meinung nach sehr viel Potenzial. Schade, dass bisher schon so viel Geld in das Thema investiert worden ist. Ich bin mal gespannt, wie sich die Stadt verhält, wenn der Bürger tatsächlich mehrheitlich mit JA abstimmt.
    Den Termin am 29.05.2018 werde ich versuchen wahrzunehmen, um mich weiter über das Thema zu informieren und meine Fragen loszuwerden. Auch dann, wenn mich die Neugestaltung eigentlich gar nicht mehr so sehr betrifft, wie noch vor zwei Jahren.

    Allerdings finde ich, dass der Bahnhof ein Einfallstor für Besucher ist und entsprechend ansprechend gestaltet sein sollte. Den Rückkauf und die Renovierung des Bahnhofgebäudes sollte man separat betrachten und vorantreiben.

    So, das ist meine Meinung dazu.
    Was denkt ihr?
    Gruß Jörg

  • #17

    Larissa Schwarz (Sonntag, 06 Mai 2018 16:27)

    @Jörg K.

    Danke für das Lob und die detaillierte Erläuterung deiner Sichtweise.
    Das mit den Parkflächen (und den Gebühren) werde ich auch noch mal genauer recherchieren bzw. gegebenenfalls auch anfragen.

    Momentan mache ich mir Gedanken zum Thema E-Mobilität und der Frage, ob die Unfallstatistik aus der Vergangenheit noch repräsentativ ist, da immer mehr E-Bikes und -Autos fast lautlos durch die Stadt fahren und ich gerade erst eine unliebsame Begegnung mit einem solchen hatte. Gerade eine Stelle wie der Bahnhof, an der es unter Umständen mal hektischer zugeht als in Hiesfeld am Rotbachsee, sollte da sicher sein. Inwiefern diese Sicherheit durch das Ja oder Nein beeinflusst wird - noch keine Ahnung meinerseits.

    By the way: Die mögliche Gestaltung des Vorplatzes in puncto Farbe, Material und Raumelementen war auf einer der Skizzen im Link zum Planorama-Entwurf zu sehen.

    Ich persönlich habe übrigens eine auffällige Beschilderung Richtung Innenstadt vermisst.
    Frankfurt bspw. macht es super vor mit der Gehweg-Beschriftung „Fußweg zur Messe“ und ihren Folgeschildern.
    Für uns wäre doch eine „Ameisenstraße“ perfekt - immer den kleinen Krabbeltierchen nach und schon ist man in der Innenstadt. Rainer Höpken würde es sicherlich auch freuen ;-)

    Liebe Grüße,
    Larissa

  • #18

    Dieter Gräber (Montag, 07 Mai 2018 13:26)

    Hallo Larissa!
    Ich habe selten so einen guten Artikel gelesen.Danke

  • #19

    Blum, Heidemarie (Dienstag, 08 Mai 2018 13:48)

    Hallo Larissa, durch diesen Artikel und der Diskussion per Email habe ich endlich eine Übersicht zum Umbau des Bahnhofsvorplatzes vor Augen. Vielen Dank an alle, die sachlich darüber berichten - mal schauen, wie es weitergeht. �