"Sie sehen gar nicht schwanger aus!" Von den Wehen einer Kopfgeburt.

Ich richte gerade ein Kinderzimmer ein.
Gedanklich.
In der Realität plane ich das Release von Band 4 der Eschberg-Reihe.
Während der Inhalt gerade in der Überarbeitung ist (dickes Danke an *du weißt, dass ich dich meine*), sitze ich gerade an den Posts zur Veröffentlichung, dem Gewinnspiel und passe das Cover an. Erstelle die Liste der Empfänger von Rezensionsexemplaren. Bestelle Goodies. Kreiere Merchandising-Artikel  für die Hartgesottenen. Schreibe Absagen an Werbepartner. (1000,- für vier Wochen und ich soll die Inhalte komplett selber liefern? Öhm, danke auch.)
Und dabei unterdrücke ich krampfhaft diese Stimme im Kopf (neben denen, die mir ihre Geschichten erzählen wollen ... ), die dauernd fragt, warum ich das alles mache. Ich könnte auf der Couch sitzen und fernsehen. Na gut, lesen wäre wahrscheinlicher. Ich könnte mich mit meiner Freundin Greta treffen und ihren Geburtstag nachfeiern. Ich könnte Omma anrufen. Die würde mich um diese Uhrzeit für bekloppt erklären und mich ins Bett schicken. (Bloß nicht alleine ... lassen wir das.)
Ich sitze aber am PC und habe auf dem unteren Bildschirm die Manuskript-Korrektur geöffnet, auf dem oberen laufen Facebook und ein paar andere Seiten parallel.
Ich weiß, dass ich das selbst entscheide und "selber schuld" bin. Ich weiß, dass ich es in der Hand habe, Prioritäten zu setzen. Aber einer Schwangeren sagt man auch nicht: Dein Baby kannst du später auch noch bekommen.
Klar, da stecken natürliche, biologische Prozesse hinter. Aber bei einer Kopfgeburt fühlt es sich so an, als dürfte so ein Buchbaby auch nicht länger auf sich warten lassen, wenn man denn einmal einen Termin vor Augen hat.
Was ich gerade mache, ist also tatsächlich so was wie ein Nestbau für das neue Buch. Das sechste insgesamt. Willkommen in der schwarzschen Großfamilie, dein Plätzchen im Regal ist schon angewärmt.
Mit Henriette habe ich länger gehadert als mit den anderen Büchern; davon habe ich euch ja schon erzählt. Dafür ist sie für mich auch sehr besonders und persönlich geworden; außerdem in mehrfacher Hinsicht ein Abschied und Neubeginn zugleich.
Ab 2018 wird es voraussichtlich nur noch einen Band der Eschberg-Reihe pro Jahr geben. Das gibt euch mehr Zeit, die Reihe kennen- und lieben zu lernen, aber auch mir, um dem, was ich aufgebaut habe, weiterhin gerecht zu werden. Ich könnte alle 2-3 Monate ein Buch auf den Markt werfen, aber das würde sich auch alles sehr ähnlich bis gleich lesen. *gähn*
In den letzten 18 Monaten gab es einige Tiefs; Rezensionen, die ausblieben, Rückgänge bei den Verkäufen, Piraterie usw. Das hänge ich selten an die größere Glocke, weil ich mich darüber nicht definieren will. Ein Jammer-Post bringt Reichweite. Ja. Schön. Und dann?
Dann haben alle fleißig geklickt, dass sie den Beitrag gelesen haben. Was bringt mir das? Genervte Freunde und Follower. In erster Linie. Eventuell ein bisschen Luft, weil ich mal "Dampf abgelassen" habe. Soll ja laut gängiger Meinung von Psychologen ganz wichtig sein. Aber ist das auch richtig? Hilft das wirklich?
Für mein Empfinden eher nicht. Ich sehe solche Posts (Zeigt doch mal, wer das hier alles sehen kann! Oder: Reichweitentest! Oder: Oh, ich bin so traurig, weil keiner liest, was ich schreibe!) als nervig an. Sorry, wenn sich da jetzt jemand auf den Schlips getreten fühlt, aber wir sitzen alle im selben Boot. Facebook ist nicht die Wohlfahrt und wer die Plattform nutzen will, um Geld zu verdienen, der wird zur Kasse gebeten. Ende der Geschichte.

Wer liest gern von den Hoch-Zeiten? 
Auch nur wenige. Auch psychologisch erklärbar. Erfolg (wie auch immer man ihn definieren mag) erzeugt Neid. Dagegen kann man sich kaum wehren. Ist ja prinzipiell auch nicht schlimm. Man liest eben drüber weg und guckt dann niedliche Katzenvideos. 
Also, was tun?
Angenehm anders als alle anderen auffallen. 
Aber wie?
Nahezu täglich erzähle ich auf FB und G+ aus meinem Alltag. Gerne. Einerseits, weil ich gern den Humor teile, der bei mir zu Hause vorherrscht, andererseits, um auf mich aufmerksam zu machen. Das liegt an meinem erhöhten Geltungsbedürfnis. Ha-ha. 
Wie sich die Eschberg-Reihe von anderen Büchern bzw. Buchreihen unterscheidet kann man hier bestens nachlesen. Warum ich keine Stockfotos verwende für meine Posts, habe ich auch schon häufiger dargelegt. In aller Kürze: Das bin nicht ich. Das ist nicht meine Arbeit. Das steht nicht für das, was ich mache, meine, sagen will. Deswegen auch keine Männer ohne Kopf (folglich auch ohne Hirn) auf dem Cover. Erst recht keine unlauteren Methoden, jemanden ins Bett zu kriegen im Roman.
Statt aber am nächsten Buch weiterzuschreiben, tippe ich diesen Blog-Artikel hier. Gerne. Denn auch das ist eine Form des Schreibens, die ich mag. Im Gegensatz zu Absagen. Oder Korrespondenz mit meiner Steuerberaterin. Ja, mein Blog ist auch Öffentlichkeitsarbeit und nicht nur reiner Selbstzweck. Ja, das alles ist meine Sache, die ich mir selbst einteilen kann. Wann. Wo. Wie. 
Ich könnte also auch sagen: Scheiß drauf! Wer das neue Buch im Laden findet, soll es kaufen. Wer sich für das, was ich als Autorin erlebe, interessiert, soll mich fragen. 
Und warum mache ich das nicht? Weil ich mir selbstredend einen gewissen Erfolg für das neue Buch erhoffe. Weil ich mir wünsche, dass es in dieser Welt gut ankommt. Gemocht wird. Weil ich weiß, dass ich mit mir selbst nicht zufrieden wäre, wenn ich dieses "Kinderzimmer" nicht einrichten würde. Weil ich weiß, dass dieses Loch im Herzen nach der Veröffentlichung umso größer wäre, wenn ich es nicht täte.
Ist es eine Sucht? 
Ich habe tatsächlich einige Fachliteratur dazu gelesen und festgestellt, dass es einen suchtähnlichen Charakter hat, zu schreiben. Aber ich komme doch lange und gut genug ohne aus, ohne körperliche oder seelische Entzugserscheinungen zu haben. Außerdem ist es nach einer Veröffentlichung tatsächlich so, dass ich etwas Abstand brauche. Ja, Band 5 ist bereits geplottet, grob angeschrieben und auch zu Band 6 und 7 gibt es eine grobe Struktur. Aber das ist so konzipiert, dass ich den Faden immer wieder aufnehmen und auch mal Urlaub machen kann. 
Wenn also in den nächsten Wochen die Großfamilie wieder Zuwachs erhält, könnte es eine Weile ruhiger werden auf diesem Blog und in den Sozialen Medien. Irgendwo muss ja auch der Input für die Bücher herkommen.
Als vor einigen Tagen die Meldung in der Zeitung stand, dass Schloss Kalkum zu verkaufen sei, habe ich fröhlich postuliert, jedem Käufer meiner Bücher einen freien Eintritt zu gewähren, wenn ich mir von den Tantiemen diese Immobilie leisten kann. Momentan sieht es noch nicht ganz danach aus, aber bei (demnächst) sechs Büchern, deren Zielgruppe groß genug ist, einer pfiffigen Steuerberaterin und noch ganz vielen Geschichten im Ohr, kann ja noch werden, was nicht ist. Also: Kauft die Bücher. Lest sie. Rezensiert sie. Erzählt davon. Habt euch lieb. Habt mich lieb. Bleibt mir treu ❤️
Damit entlasse ich euch also in eine *hafte Lesezeit und mich in den Winterschlaf. Keine Sorge, wenn ich mal vor die Höhle muss, gibt es sicherlich was zu erzählen und lesen, aber das kommt dann spontan ...

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