Pirates of the eBookian – Larissa sieht schwarz. Oder rot?

Vor ein paar Tagen war ich bei Pottschnitt, hab mir die Haare waschen, schneiden, föhnen und frisieren lassen. Eine gute Stunde lang. Nachdem Domi mir dann in den Mantel geholfen hat, habe ich mich bis zum nächsten Mal in vier Wochen verabschiedet. Eigentlich will er für sowas 42,50 Euro von seinen Kunden haben, aber da er sowieso gerade im Laden war und sonst nix zu tun hat, durfte er das für mich kostenlos machen.
Danach bin ich noch schnell in die Kostbar, zu Tina und Steffi, habe einen großen Kaffee getrunken und ein saftiges Stück Kirschstreusel gegessen. Laut Karte kostet das 5,10 Euro. Ich habe mich aber erbarmt, mir Kaffee und Kuchen einfach so einzuverleiben, bevor sie es wegschmeißen müssen.
Als ich dann in mein Auto gestiegen bin, klebte ein Knöllchen an der Windschutzscheibe. 15 Euro wegen Parkens ohne Entrichtung der Gebühren. Was hab ich mich aufgeregt! Das hätte mich so allerhöchstens 3,40 Euro gekostet und die nehmen 15 verdammte Euro dafür?
Oh – das ist ungerecht? Nicht rechtmäßig? Ja. Sag ich doch! Wie? Mein Verhalten??? Aber – Wie jetzt? Erschleichung von Leistung? Und was soll das heißen – ich hätte Freunde beschissen? Ich werde doch auch so oft beklaut! Täglich. Mehrmals. Das ist was anderes?
Ein eBook ist, da es nur aus Nullen und Einsen besteht, beliebig oft ohne große Kosten (außer für den Strom, den User und die Hardware) kopierbar. Deswegen unterscheidet sich in viele Fällen sein Preis erheblich von dem eines Prints. Dennoch ist es mein geistiges Eigentum (auch wenn ich meinem Verlag die Vervielfältigungsrechte verkaufe).
Der Vergleich hinkt? Domi hat mir schließlich seine Zeit, Handwerkskünste und das Equipment zur Verfügung gestellt? Tina und Steffi haben Rohstoffe eingesetzt? Den Parkplatz habe ich gemietet? Oh. Das heißt, ich hätte tatsächlich dafür zahlen müssen? Aber mich bezahlen doch auch nicht alle, die – Ach so. Ist ja nur ein eBook. Verstehe. Fünf Euro für mehrere Stunden Lesevergnügen sind auch echt happig. Muss ich ja mit rechnen, dass es bei der inzwischen vorherrschenden Gratis-Mentalität Vieler, die sich mit Ungeduld und einer schauderhaften Rechtsauffassung gepaart zu haben scheint, geradezu ein Kavaliersdelikt ist, mich um die 1,91 Euro Marge zu bringen. Und natürlich alle anderen Beteiligten um ihren Anteil. Den Distributor, den Verlag. Meine Krankenversicherung. Meine Bank. Meinen Friseur. Meine liebsten Café-Betreiberinnen. Meine Heimatstadt, in der ich Steuern zahle.
Wenn das Geld nicht reicht oder die Gier nach dem neuesten Buch zu groß ist, sind Diebstahl und Hehlerei also Bagatellen. Kurze Frage nur – wo ist bitte die Grenze? Bei 3,40 Eur? Bei 5,10 Euro? Oder erst bei 42,50 Euro?
Ja, ich möchte Geld an meinen Büchern verdienen, sonst würde ich die Geschichten verschenken. Ich möchte weiterhin meinen Friseur, meinen Kaffee und meinen Parkplatz bezahlen. Schließlich gebe ich eine Gegenleistung dafür, die ja offensichtlich gefragt ist, sonst würden sich meine Bücher nicht immer wieder illegal irgendwo zum Download finden oder auf anderem Wege weitergereicht.
Wer sich ein Buch nicht leisten kann oder will, hat andere Möglichkeiten als sich strafbar zu machen. Leserunden, Wanderbücher, gebrauchte Prints, Bücherschränke. Es soll sogar sowas wie Bibliotheken geben. Oder Autoren und Verlage, die Rezensionsexemplare kostenfrei ausgeben. Aber das ist mit Arbeit verbunden. Man müsste einen Weg auf sich nehmen, etwas schreiben. Ein einfacher Mausklick von der Couch ist da natürlich leichter. Und anonymer.
An das Gewissen Rückgratloser zu appellieren ist was für Don Quijote, der kennt sich mit Sisyphus-Aufgaben besser aus als ich. Und okay, ich gebe zu: Diesmal ist der Wortwitz im Titel weit hergeholt. Mindestens genauso weit wie alle Argumente, die für Buchpiraterie sprechen.
PS: Bevor jetzt irgendjemand auf krude Ideen kommt – meinen Friseurbesuch habe ich bezahlt. Und Domi was für seine Kids ins Sparschwein geschmissen. Bei Steffi und Tina habe ich auch meine Rechnung bezahlt, plus Trinkgeld, weil ich einfach nie schaffe, so viel zu essen und zu trinken, dass ich auf eine Summe komme, die ihnen und ihrem zauberhaften Café gerecht wird. Und – erkundigt euch gern bei der Stadt Dinslaken – ich habe einen gültigen Parkschein auf dem Armaturenbrett liegen. Immer, wo er erforderlich ist. Und auf meinem eReader ehre ich die Arbeit meiner Kollegen mit bezahlten eBooks – Rezensionsexemplare mal außen vor. Noch Fragen?

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Kommentare: 1
  • #1

    Vero Havre (Dienstag, 25 Juli 2017 06:28)

    Es ist wirklich schade, dass diese Gratisworte vermutlich nicht zu den Steinen des Anstoßes durchdringen. Für mich ist die Mentalität der E-Book-Diebe nicht nachvollziehbar.