Ich schwöööhööör, ich geh so gern zum Frisööööhöör – Und das ausnahmsweise nicht zum Haarespalten.

 

 

„Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter“, rief der edle Ritter voller Vorfreude. Die Prinzessin tat wie ihr geheißen und beugte sich aus dem Turmfenster. Plötzlich kam ein Wind auf, zauselte und sauselte durchs Haar und – o Graus! Als der Ritter nach einer der Strähnen griff, klebte sie ganz fürchterlich und war aufs äußerste verfilzt. Erschrocken ließ er los. Über den säuerlichen Duft, der nun an seinen Fingern haftete, rümpfte er die Nase.

 

„Was habt Ihr?“, rief die Prinzessin.

 

„Ähm … ich muss weg!“, antwortete er und machte sich aus dem Staub.

 

Einer von beiden lebte glücklich bis ans Ende seiner Tage, die andere fing ein obskures Verhältnis mit einem Drachen an … die stehen ja bekanntlich auf Schuppen.

 

Was will uns die Autorin damit sagen? Es wird haarig.

 

Jetzt, da ich eure Aufmerksamkeit habe, kommt schnöde Werbung. Für die ich noch nicht einmal bezahlt werde. Aus der Überzeugung heraus, dass niemand einen Bad Hair Day haben müsste. Sollte. Dürfte.

 

Allerdings lässt sich das nicht unbedingt durch Einbahnstraßen-Werbeversprechen der Kosmetikindustrie lösen. Denn der Fernseher/Influencer/Zeitungsartikel kennt zwar seine Auftraggeber, aber eines ganz gewiss nicht: die Haare desjenigen, der gerade zuschaut/liest.

 

„Du willst mehr Volumen?“

„Du willst Ultraglanz?“

„Du willst das perfekte Styling?“

 

Ja. Ja. Ja. Alles. Am besten sofort. Ja. Das Model im Video (bleiben wir mal dabei) wirft elegant die Mähne in den Nacken, wellenförmig schwingt die Pracht nach, glänzt seidig und sieht hammermäßig aus. Bäm! Auch will!

 

Angefixt von den Superlativen auf Shampooflasche und Stylingtube greift man in der Drogerie dann das nächste Mal zu irgendwelchen Boostern, Festigern und Conditionern. Ungeachtet der Tatsache, dass die eigenen Haare vielleicht was völlig anderes benötigen. Unter den Hunderten Flaschen und Tuben wird sicherlich was dabei sein. Die Chancen, beim Roulette zu gewinnen, sind aber höher, als ohne Beratung hier die richtigen Produkte rauszupicken.

 

Würde ich mir auch nicht zutrauen, obwohl ich glaube, meine Haare ganz gut zu kennen. Umso besser kennen sie aber mein Friseur und sein Team.

 

Und das Gemecker über die teuren Produkte aus dem Salon geht los in 3, 2, 1 …

 

Jap. Ist nicht günstig und sicherlich auch nicht für jeden Geldbeutel erschwinglich. Aaaaaaber: Es ist in einigen Fällen auch eine Sache des Leisten-Wollens.

 

Mit einem Set Shampoo/Conditioner aus dem Salon komme ich mindestens ein halbes Jahr hin. Auf den Monat gerechnet sind das ca. 4-5 Euro an Pflegemitteln, fürs Styling kommen noch mal 2-3 Euro hinzu. Macht in Summe maximal 8 Euro. Mit einem Kauf beim Friseur, kaufe ich mir aber auch gleichzeitig Beratung und eine Zufriedenheitsgarantie ein. Er weiß, ob meine Haare mehr Feuchtigkeit benötigen und wie viel Hitzeschutz notwendig ist. Schnitt und ggf. Coloration werden berücksichtigt. Das Fachchinesisch an Inhaltsstoffen übersetzt er in „brauchen deine Haare“ oder „ist nicht gut für dich“. Und er sieht eventuelle Veränderungen im Laufe der Zeit.

 

Sind Sie verwandt mit Chewbacca?

 

Da ich, die Schwester von Vetter Itt, von Natur aus mit seeehr viel Haaren und Naturkrause gesegnet bin, ist mein Problem beim Styling eigentlich immer das Volumen. Ob ich nun glatte oder lockige Haare haben will, beides ist möglich, nur platt sollen sie nicht sein. Ich trage keine Extensions, also muss ich hier wenig Rücksicht nehmen, gefärbt sind sie auch (noch) nicht, daher reicht für mich meistens eine Pflege, die etwas Feuchtigkeit spendet. Waschen, Conditioner rein und raus dauert ungefähr sieben Minuten. Die Locken föhne ich mit dem Diffusoraufsatz und etwas  Big Head sowie Unique one (Leave-in Conditioner) rein, knete das noch feuchte Haar ordentlich und nach ca. 12 Minuten sehe ich aus wie Tingeltangel Bob.

 

Glattföhnen dauert in etwa genauso lang, wobei ich über Kopf trockne und anschließend noch mit dem Glätteisen die „Tension“ rausziehe. Diese krubbeligen Antennen, die sonst abstehen. Insgesamt zwanzig bis fünfundzwanzig Minuten nimmt also im Schnitt jeden zweiten Tag mein Haar-Spleen in Anspruch. Nicht gerade wenig, aber wenn man die Länge von z.B. Zigarettenpausen zusammennimmt oder überlegt, was man an Zeit für sein Hobby opfert … Pfft. Muss jeder selbst wissen.

 

„Ich hab aber gar keine Zeit dafür, weil …“

 

Dann eben nicht. Ganz einfach. Es wird ja auch nicht direkt jeder zur Gammel-Rapunzel und auch ich habe den ein oder anderen Tag, an dem ich aus großherziger Rücksicht auf die Menschheit keine Selfies poste. Aber so richtige Bad Hair Days … Hm. Höchstens, wenn sie länger nicht geschnitten wurden und/oder ich länger keinen Tiefenreiniger benutzt habe. Vermutlich haben die Namensgeber von GHD recht; mit ihren Stylingwerkzeugen gibt es nur noch „Good hair days“. In diesem Sinne: lasst euch nicht die Haare zu Berge stehen, keine grauen wachsen und rauft sie euch nicht, es gibt für alles eine Lösung, äh, Shampoo und zum Abschied noch ein Lied über die schönste Form von Horn.

 

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