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NFT – oh, nee! Blockchain my heart.

"Blockchain my heart"
"Blockchain my heart"

„Mach doch ein NFT aus deinen Bildern“, sagte neulich jemand zu mir.

„Damit kann man gutes Geld verdienen.“

 

Ich bin nicht abgeneigt, ein volles Konto zu haben. Ich arbeite auch gern dafür. Gehe gewisse Risiken ein. Aber ich tu halt nicht alles für Geld.

 

Eigentlich könnte ich es dabei belassen und der Artikel wäre hier zu Ende. Ich muss mich niemandem ggü. erklären. Aber dafür ist der Hype um Krypto-Währungen einfach zu groß und interessant. 

 

Weil ich auch nicht einfach nur „nee, lass mal“ sagen kann, ohne zu wissen, ob ich nicht eine gute Option ausgeschlagen habe, hab ich mal etwas tiefer gegraben. 

 

Eigentlich ist es ganz einfach.

Um ein NFT zu minten, zahle ich 0,5 Ethereum an eine Plattform, die dann eine Blockchain schmiedet, die ich dann verkaufen oder versteigern kann. 

 

 

 

What?

Identity
Identity

Ich bin Digital Native, aufgewachsen mit Computern und dem Internet. Ich habe für meine ersten SMS noch 1,20 D-Mark bezahlt bei D2 Mannesmann, inzwischen habe ich fünf Messenger auf dem iPhone und mit 40 € pro Monat alles abgedeckt, was irgendwie an Daten reinkommt oder rausgeht. 

Der Absatz über diesem war aber auch für mich erklärungsbedürftig. 

 

 

Ein NFT ist ein non-fungible Token, auf Deutsch in etwa : ein nicht ersetzbares Objekt. Als Beispiel nehmen wir ein Schreddergeldbild.

 

Wenn das Bild wegkommt, ist es weg. Es ist einzigartig, kann genau so nicht noch mal hergestellt werden und eine Kopie oder ein Druck davon ist eben nur eine Kopie. Der NFT ist dieses Original und lässt sich weder drucken noch kopieren noch vernichten.

 

Aber: Er ist nur digital da. So wie dieser Blogbeitrag. 

 

 

So wie ich das Schreddergeldbild nur mit Vertrag weitergebe, aber die Urheberrechte daran behalte, ist das NFT geschützt durch einmalige Codierung. 

Aber was für ein Objekt steckt hinter dem NFT?

 

Das kann alles mögliche sein. Ein Bild oder einer Bildersammlung, ein Video, ein Musikstück, ein eBook oder eine 3D-Animation.

 

 

Um dieses Objekt besitzen zu können, wird ein NFT gemintet, was im Deutschen am besten mit „geprägt“ übersetzt werden kann. Wie eine Münze, die es nur einmal gibt. Damit mir jemand diese einmalige Münze prägt, muss ich ihm Geld geben. Bezahlt wird aber nicht in Euro, sondern in Kryptowährungen. Sprich: digitalem Geld. Das durch Stromverbrauch hergestellt wird. Klingt komisch, lassen wir aber erstmal so stehen, weil das WIE  an dieser Stelle egal ist, da ich die Kryptowährung kaufen müsste.

0,5 Ethereum entsprechen ungefähr 1.400 €. Die muss ich an den Präger bezahlen, damit er mir mein NFT erstellt. 

 

Warum ich das nicht selbst mache? 

 

Ein NFT basiert auf einer Blockchain. Das ist eine Kette aus Würfeln, aber digital. Verschlüsselt. Kopiersicher. Einzigartig. In jedem dieser Würfel sind Teile des Objekts gespeichert und Teile der anderen Würfel. Ganz vereinfacht gesprochen. Diese Blockchain kann man nicht einfach schreiben oder zeichnen, sie wird errechnet. Dieses Errechnen kostet sehr viel Rechnerleistung und damit Strom. Das lässt der Präger sich bezahlen. Logisch. 

 

Stellen wir uns vor, ich würde alle bisherigen Schreddergeldbilder als Sammlung zu einem NFT verwandeln lassen. Inklusive dem Fingerabdruck. Ich zahle also dem Präger 1.400 € in digitalem Geld, damit er diesen Token mintet, also die Blockchain herstellt. Der Token kommt dann auf eine Verkaufsplattform und ich muss mich darum kümmern, dass ihn mir jemand abkauft, der dann die Sammlung digital besitzt. Und wirklich nur besitzt. Er kauft damit nicht die Originale, kein Urheberrecht und auch kein Recht, die Bilder zu zeigen oder auszustellen oder zu drucken. 

Er darf sie sich digital angucken. Am Handy. Oder Tablet. Oder PC. Vielleicht noch ausdrucken und an die Wand nageln. Mehr nicht. 

 

Dafür müsste ich also mindestens 1.400 € verlangen, um nicht auf den Kosten sitzenzubleiben. Plus eventuell  Maklergebühren für die Plattform, auf der den NFT verkauft wird. 

Ich soll also dem oben erwähnten, zweifelsohne gutgemeinten, Rat nach erstmal zusätzlich zur bisher investierten Zeit und Arbeit noch 1.400 € berappen, damit eventuell jemand den digitalen Zugang zu der Sammlung kauft. 

Das kann natürlich funktionieren und vermutlich würde bei einem Preis von 1.400.000 € eher jemand zuschlagen als bei

1.400 €. Einfach aus dem Grund, weil diese KryptowährungsBlockchainichkaufmirdieWelt-Bubble so tickt. Was nichts kostet, taugt auch nichts. 

 

Ich hab aber keine Lust auf das Risiko, die Energieverschwendung [weder meine noch die des Stroms] und erst recht nicht auf den Stress. 

 

„Dir entgeht was.“

 

Mag sein. Aber wenn derjenige so überzeugt von dieser Idee wäre, hätte er sie finanziert. Hat er aber nicht. 

Und das ist so ähnlich wie die Sache mit „darüber musst du mal ein Buch schreiben“.

 

Spoiler: Nein, muss ich nicht. 

Ich greife solche Stöckchen gern auf und guck sie mir an. Ich spring aber garantiert nicht über jedes drüber. 

 

Manchmal, aber nur manchmal, halte ich selbst sogar eins hin. 
Hüpf!

 

 

 

 

 

 

PS: Die beiden Schreddergeldbilder sind noch erhältlich. Ganz in Echt. Gegen Geld, Vertrag und mit Eigentumsübergang. Für an die Wand oder so.

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Kommentare: 2
  • #1

    Ralf B. (Montag, 24 Januar 2022 21:13)

    Du hastes geschafft...ich hab kein Wort verstanden...geh jetzt dumm schlafen...

  • #2

    Larissa Schwarz (Montag, 24 Januar 2022 21:15)

    Ach, mennoooooo. Dabei war das die Erklärung, mit der ich meinem Papa das verklickern wollte … *schiebt Nachtschicht zur Nachbesserung