Über die Korrelation von Generationenkonflikt, Glitzereinhörnern und Überkonsum. Willkommen in der Apokalypse, diese Welt endet hier.

 

 

 

 

Jetzt ist sie völlig durchgeknallt und spricht nur noch in Rätseln!?

 

Quatsch! Was sich auf den ersten Blick liest wie die geistige Diarrhö einer desperaten Autorin auf der Suche nach möglichst großer Zielgruppe, vereint ein paar Dinge, die in den letzten Tagen im Diskurs ans Licht gekommen sind, und nun einer kleinen Ausarbeitung bedurften. Worum es geht?

 

Zwei Artikel, die ich kurz hintereinander veröffentlicht habe, hatten auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Der eine handelte von Sexismus aus den eigenen Reihen, der andere persiflierte die Frage nach meinem Alter.

 

 

Auf Facebook liefen dann in einer Diskussion Fäden zusammen, wo ich zunächst keine vermutet hätte.

 

Ließen sich die Angriffe von Frauen auf die Expertise anderer Frauen zwar nicht an einem bestimmten Alter der Damen festmachen, so wurde klar, dass zumindest meine Generation, die Xennials, weder unschuldig daran ist, noch etwas dagegen tut. Und dann hörte ich plötzlich Hufgetrappel – die Reiter der Apokalypse nahten.

 

Der Reihe nach.

 

Ausschlaggebend waren die [sinngemäß wiedergegebenen] Fragen:

 

Warum kleiden wir unsere kleinen Kinder so extrem in glitzernde rosa Einhörner und blaue, neonleuchtende Superhelden? Und vor allem: Wieso sagen unsere Töchter „Ich kann das nicht, ich bin doch ein Mädchen!“?

 

 

 

 

Erst mal: Wer ist wir?

 

 

Wir versteht sich hier als Lesart von „Xennial-Eltern“. Gegen Ende der Generation X geboren, das Millennium als junge Erwachsene beendet, nicht typisch X, nicht hundertprozentig Y. Nicht alle, aber viele davon ein bisschen. Jetzt also Thirty-Somethings, die mit der Fortpflanzung bereits begonnen haben und es gerade richtig verkacken.

 

  

Eng verwandt mit den Ys, der „Generation why?“, sind die Xennials Digital Natives – sie haben das ständig abrufbare Weltwissen in die Wiege gelegt bekommen. Sie sind groß geworden mit „alles ist jederzeit verfügbar, die Welt ist bunt und ich bin ein Einhorn“. Sie können sich outen. Sie können reisen. Sie haben Geld. Sie haben studiert. Sie sind die Generation der Möglichkeiten.

 

Und Xennials sind überfordert. Hoffnungslos. Daher klammern sie sich ans Kindchenschema, an die Reste archaischer Regeln bzw. Einschränkungen und geben diese wieder [un]bewusst an ihre Kinder, die Generation Z, weiter. 

 

Brave New World und 1984 vermischen sich hier zu einer weitaus gruseligeren Dystopie, da die Xennials zwar aufgeklärt und mit umfassendem Wissen ausgestattet sind, aber haltlos und — angesichts der schwindenden Ressourcen auf der Erde — perspektivlos. Sie starren im Tunnelblick auf ihre Screens und laufen bestenfalls vor Laternenpfähle. Die Generation Y kann und muss diesen Planeten retten, um der Kinder willen, die sie in diese Welt geboren hat. Aber was macht sie? Glotzen und glitzern. [Der erste Reiter trabt auf dem weißen Pferd heran. Ich übertreibe maßlos weiter.]

 

 

Meiner Auffassung nach, ist dieser langandauernde Trend zu rosa und hellblau ein Ausdruck von Angst.

 

 

Man gaukelt sich und dem Kind eine heile Welt vor, obwohl diese bereits auf dem Sterbebett liegt. Dabei eine Unterscheidung nach Männern und Frauen zu machen, liegt – so meine Meinung – darin, dass wir auf eben jenes Muster unserer Müttergeneration zurückblicken, in der die Männer eben noch „das starke Geschlecht“ waren und für „Recht und Ordnung sorgten“. Es ist ein aus Hilflosigkeit heraus formulierter bzw. projizierter Wunsch, dass alles wieder gut wird. Fluffige rosa Schweinchen, die glücklich ein Sonnenbad nehmen, und hellblaue Zuckerwatte-Wölkchen, die keinen Karies verursachen. [Dabei ist der zweite Reiter auf dem roten Pferd bereits unterwegs.]

  

Weil immer weniger Ys eher auf- und abgeklärt als gläubig sind, wendet sich diese Generation nicht an Gott sondern an Götzen. Amazon, Influencer, Dinge die sich schnell und problemlos kaufen lassen. Das kurzzeitige High von Befriedigung durch Konsum verdeckt die Sorge um das, was nach uns kommt, was wir aber eigentlich schon längst in die Welt gesetzt haben. Und so geht der Teufelskreis von vorn los. Kinder suchen sich ihre Vorbilder in vielen Fällen selbst bzw. adaptieren Dinge. Kinder brauchen aber auch Bestätigung und lernen, wie man an diese kommt. [Dazu später noch was.]

 

Frauen [sicherlich auch Männer, aber die Eingangsfrage bezog sich auf die Sache mit dem femininen Sexismus] wollen Vorbilder sein, wollen zeigen, was sie können, haben einen Job oder zwei, managen die Familie und machen den Haushalt [böse verallgemeinert], wollen weder hier noch dort negativ auffallen, allen und allem gerecht werden. Und sie sehen auf ihren Screens nach links und rechts, entdecken Dinge, die sie für sich und ihre Kinder bzw. Familie konsumieren können, um wieder dieses kurzfristige Gefühl von Glück zu haben – und sie kaufen dieses Einhorn-Shirt mit Pailletten, weil die Tochter es will, und den Spider-Man-Anzug für den quengelnden Sohn. Alle anderen haben ja schließlich auch ...

 

Für die Tochter sind sie die Heldin, der Sohn wird selbst zu einem stilisiert. Grundsätzlich haben sie also ihre Vorbildfunktion erfüllt – wenn auch in Stereotype kanalisiert.

 

Aber man kann nicht alles haben und da die Welt eh am Arsch ist, und wir unseren Kindern nicht erklären müssen wollen, dass wir sie [Welt und Kinder] nicht gerettet haben, lassen wir es so stehen. Die Jungs werden es richten und die Mädchen werden es ihnen danken. Hat ja früher auch funktioniert. [Und niemand hört oder sieht den dritten Reiter auf dem schwarzen Pferd nahen.]

 

 

Statt der Wahrheit ins Auge zu blicken, basteln sich Frauen regelrecht Underdog-Momente.

 

 

Niemand hat damit gerechnet, dass Mami mit dem Familienhochdachkombi in einem Zug rückwärts in die Parklücke kommt. Alles inszeniert. Wenn keiner hinsieht, kann sie es sogar bei lauter Musik. Aber der Applaus ist umso größer und das Ego wird mehr gepusht, wenn man so schlau ist, sich dumm zu stellen. Wer es nicht glaubt: das Internet ist voll von solchen Videos. Einfach mal selber suchen.

 

Wir streben alle nach Anerkennung und Lob – eine solche Konstruktion, ein herbeigeführtes Verhalten, jedoch ist eine subtile, wenn auch bescheuerte, Art, es zu bekommen. Wird es dauernd vorgelebt, überträgt sich das schnell. Wenn Oma mitklatscht, noch eher.

 

Was Oma damit zu tun hat? Sie bringt uns zurück auf die Frage:

 

Warum diskreditieren und diskriminieren Frauen andere Frauen?

 

 

Ich wage eine steile These: Frauen, die andere Frauen diskriminieren und deren Expertise anzweifeln, haben Verlustängste und es mangelt ihnen an Bestätigung.

 

In den 60ern und 70ern waren Frauen bekanntermaßen noch nicht so selbstbestimmt wie heute.

Pille nehmen oder Führerschein machen? Nur mit Erlaubnis des Mannes.

Beruf erlernen? Da muss der Vater zustimmen.

 

 

Das mag der ein oder anderen Frau noch als Privileg erschienen sein, welches ggf. auch wieder aberkannt werden könnte. Also: nicht negativ auffallen, die Fassade schön herausputzen, lächeln und winken. 

 

Die jungen Frauen der 60er und 70er sind heute die Großmütter, haben die Generation X und Y erzogen und sehen ihre Enkelinnen in Prinzessinnenkleidchen und ihre Enkel als Captain America. Und das nicht nur zu Karneval.

 

Wir haben also eine Generation W [die Babyboomer], die noch weiß, wie es ist, nicht alles als selbstverständlich zu betrachten, die für so manches Recht noch auf die Straße gegangen ist und auch noch länger Skepsis hatte, wie langfristig sie diese Rechte behalten wird. Die jetzt die Verunsicherung der eigenen Kinder miterlebt, die Konsequenzen des eigenen Handelns und der eigenen Erziehung. Die nicht mehr miterleben wird, wie der Erde die Luft ausgeht, weil sie bis dahin bereits den letzten Atemzug getan hat, aber die weiß, dass ihre Enkel das eventuell erleben werden.

 

Klingt pathetisch und ist vermutlich weit hergeholt, aber ich kann mir vorstellen, dass diese Generation Zweifel hat. Zweifel an dem, was aus den eigenen, realisierten Träumen geworden ist, und dass sie Verantwortung für die Konsequenzen empfindet. Die Frauen der Generation W haben die Gleichstellung erkämpft und ihren Töchtern geschenkt. Und doch stehen sie ihr [in Bezug auf die Expertise] skeptisch gegenüber. Aus Trotz und Neid? Warum auch immer; den Frauen der Generation Y wurde es – sorry, but not sorry – anerzogen.

 

Wir Xennials haben so viele Möglichkeiten entdeckt und wissen dennoch nicht, was wir mit ihnen anfangen wollen. Wir sind nicht nur haltlos, sondern auch planlos. Wir wissen nicht mehr, wem wir glauben dürfen. Und trotzdem stellt man uns die Fragen, ob wir ein generelles Tempolimit brauchen oder wollen, was wir mit den Dieselfahrzeugen machen sollen und warum wir Parteien demokratisch wählen, die einen Scheiß auf Demokratie und Verfassung geben. Was ist dran am Klimawandel und wieso sind wir noch nicht alle Veganer, wo doch Hund, Katze, Pferd und Maus die besten Freunde des Menschen sind? Warum verbannen wir Plastikstrohhalme, aber nicht Kaffee-Kapseln und Coffee-to-go-Becher?

 

Wir werden als die Generation „Zweierlei Maß“ in die Geschichte eingehen.

 

Und so gibt der vierte Reiter dem fahlen Pferd die Sporen. Wir sind es, die ihn gerufen haben und wir sind es, die es in der Hand haben, ob die Apokalypse zum Ende der [Menschheits]geschichte oder zur Zeitenwende wird.

 

Die Generation Z, die Kiddies, die Ende der 90er bis ca. 2012 zur Welt kamen, steht bereits in den Startlöchern und beginnt, ihre Greta Thunbergs und Felix Finkbeiners zu entsenden. Nicht ohne eine gewisse Ambivalenz, diesen faden Beigeschmack der Instrumentalisierung, aber immerhin ohne rosa Einhornglitzer und Superman-Anzug.

 

 

 

Bitte zerfleischen Sie die Autorin JETZT. Später ist vielleicht keine Zeit mehr dazu.

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    joachim (Montag, 28 Januar 2019 22:09)

    Endlich mal eine gescheite Ansicht zu dem Thema.

  • #2

    YvetteH. (Montag, 11 Februar 2019 15:52)

    Also wenn ich meinere jüngeren Tochter irgendetwas in rosa oder rot hätte anziehen wollen, wäre sie lieber nackt aus dem Haus gegangen :)
    Und das schon im zarten Alter von 3 - 4 Jahren