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Ha-ha-ha-Haarausfall. - Gesundheit!

 

 

Sissi! –Franzl! –Lass dein Haar herunter! –Falsches Märchen! Oder: Die Meise unter meinem Pony klagt auf Mietminderung.

 


[Lucheni:]
Wollt ihr hören, was die Kaiserin quält?

[Menge:]
Sag, was?

[Lucheni:]
Wenn sie in ihrem Kamm die Haare zählt ...

[Menge:]
Wie das?

[Lucheni:]
...weint sie vor Kummer
Denn sie trauert um ...

[Menge:]
Um was?

[Lucheni:]
... ihr Haar!

[Menge:]
Was?

[Lucheni:]
Ja!

Im Song „Milch“ aus dem Musical Elisabeth geht es um die First-World-Probleme der Kaiserin Sisi, die sie im Lichte des Hungers in der Bevölkerung wohlstandsverwahrlost und egozentrisch scheinen lassen. Was im Kern auch zutrifft, allerdings nichts daran ändert, dass sie sich mit ihrem Haarausfall nicht wohlgefühlt hat und darunter litt. Ich rate ja generell von Pile-of-Shit-Vergleichen ab, da sie in der Regel unfair sind und zu noch mehr Missmut führen; Sisis Umgang damit ist Überlieferungen zufolge jedoch wenig sympathieerweckend gewesen, so dass ich verstehen kann, wenn der ein oder andere jetzt denkt „geschah ihr recht“. Die Vergehen und Verfehlungen des Hauses Habsburg will ich auch gar nicht kleinreden, mir geht halt nur dieses Lied seit Tagen nicht aus dem Kopf. Im Gegensatz zu den Haaren, die von meinem Kopf abgehen. Und darauf wollte ich ja eigentlich hinaus.

 

 

Von Vetter Itt zum Nacktmull

 

Na ja, nicht ganz. Sie fallen nur am Kopf aus, nicht mal im Gesicht, also sind 90 % von mir immer noch eher Chewbacca als Regenwurm, auch die Meise unterm Pony ist noch nicht ausgezogen, obwohl sie wegen des Heizungsausfalls inzwischen auf Mietminderung klagt. Mittlerweile sind halt mehr Haare im Papierkorb als da, wo sie hingehören.

Und das war quasi geplant, erwartet.

Trotzdem isses nich schön.

Was meine ich mit geplant?

Ich hatte ja von dem Hypophysenadenom und der Akromegalie erzählt, die mich letztes Jahr aus der Bahn geworfen haben. Nun bringen generell Operationen in Vollnarkose, aber eben speziell in diesem Fall auch die Hormonveränderung danach ein paar Nebenwirkungen mit sich, von denen einem seltener ein Arzt, eher andere Betroffene vorher erzählen. Hinterher heißt es eher „Ach so, das ist nur telogenes Effluvium, das geht wahrscheinlich wieder weg.“

 

 

 

Es sind ja nur Haare, also was jammerst du?

Ja, Tschuldigung, ich mag meine Haare und mich mit ihnen halt.

 

Warum erzähle ich euch das?

Ich kann nichts dafür, dass mich das so stört und ich mich ohne meine Mähne so unwohl fühle. Noch bin ich auch nicht bereit für eine „peppige Kurzhaarfrisur“ – danke, die hatte ich knapp 20 Jahre in allen Farben und Formen, ist mir grad nicht nach. Und auch keine Perücke würde da jetzt helfen, für sämtliche Medikamente/NEM ist es zu früh, weil eigentlich alles andere in Ordnung und das eine normale Reaktion meines Körpers ist (sagen unabhängig voneinander mehrere meiner Ärztinnen).

Es braucht eigentlich keine Lösung.

Eigentlich. Weil immer, wenn ich es jemandem erzähle, wird mir sofort eine angeboten. Außer in der Selbsthilfegruppe. Und darüber bin ich sogar froh.

Klar, wäre es schön, wenn ich nur mit dem Finger schnippen müsste – hey, das geht inzwischen glücklicherweise auch wieder – und zack, wären wieder alle Haare vollzählig versammelt an ihrem Platz. Aber manchmal muss man auch erst mal einfach nur abwarten und aushalten, auch wenn’s schwerfällt. Den Rat habe ich in der Gruppe bekommen. Und natürlich weiterführende Hinweise, was ich machen kann, wenn sie nicht von alleine wieder wachsen.

Die Lernkurve war hier ziemlich steil. Und ich habe mich ertappt gefühlt.

 

 

Wie oft wollte ich schon pflicht- und empathiebewusst jemandem gute Tipps geben, an Mansplaining grenzende Kommentare verfassen, Hilfe anbieten und Ideen in den Raum werfen, wenn gar nicht danach gefragt wurde.

 

 

Aber was dann?

 

Man darf Menschen manchmal auch einfach nur jammern lassen. Wenn’s einem auf den Keks geht, geht man entweder weg oder nimmt es achselzuckend hin. Wenn man nett sein will, kann man fragen, was zum Trost beitragen könnte (ich bin für Waffeln und Sinalco Orange). Ratschläge ohne Aufforderung kommen allerdings nur selten gut an. Genauso wenig wie gutgemeinte Vergleiche.

 

„Die Anni hat auch so viele Haare verloren in ihren Schwangerschaften, die trägt jetzt nen Pixie und ist glücklich.“

Sei froh, dass es kein Krebs war wie bei der Marina.“

„Bei Männern bleibt das so, bei dir wächst das doch wieder nach.“

 

Wenn meine Mama mir schreibt, dass ihr das leidtut und sie das Gefühl kennt, weil es ihr auch so ging oder geht, ist das was anderes, als wenn mir irgendein Internet-Ingo nen KI-generierte Statistik unter den Beitrag schmiert und schreibt „du bist nicht allein“.

 

You  get it?

 

Und auch nur mein Mann darf Sätze sagen wie: „Das nennst du Haarausfall? Du hast nur ausnahmsweise mal bloß so viele Haare auf dem Kopf wie jeder Normalsterbliche auch. Sei froh, musst du weniger waschen und nicht so lange föhnen.“

 

 

 

Es sind übrigens 257 gewesen heute. Plus minus drei, von denen ich nicht weiß, ob sie nur abgebrochen waren. Und damit: genug gejammert und erklärt, ich geh jetzt Waffeln backen.

 

 

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