Jetzt malt sie auch noch …?

 

 

Nein, nein. Ich klebe. Geschredderte Banknoten auf Karton. Wieso?

 

 

Es war Reiner Langer, der mich dazu inspirierte, das erste Bild (There is no reason for war) zu gestalten. In einem Künstlergespräch anlässlich des Mail Art Projekt Against War erzählte er von seinen Anfängen, Erfolgen und Zielen. Er begleitete durch die Ausstellung, erläuterte ausgesuchte Werke und forderte dazu auf, sich mit dem Thema Krieg und seinen Auswirkungen auseinanderzusetzen.

 

Tatsächlich dauerte es einige Zeit, bis ich nach einem Migräneanfall meine Gedanken sortiert hatte und feststellte, dass es so viele Ursachen für Kriege gibt, aber dennoch keinen triftigen Grund. Was aber immer eine Rolle spielt, ist Geld. Finanzierung von Kriegsgeschehen, Bestechung, Schlachten um Rohstoffe und Länder, Schutz und Sicherheit kaufen, Flucht bezahlen …

 

Als gelernte Bankerin hatte Geld auf mich immer eine gewisse Faszination ausgeübt, nicht wegen des nominellen Wertes oder weil ich es mir aneignen wollte. Ich mochte Haptik und Optik der Euroscheine, die viele Menschen einfach nur hässlich finden, suchte nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu anderen Währungen. Wie es dann letztlich zu der Idee kam, meine Gedanken zu Reiner Langers Worten in ein Bild zu verwandeln, kann ich noch nicht einmal mehr mit Sicherheit sagen, aber es hing damit zusammen, dass mein Blick während einer Korrekturarbeit auf einen Umschlag fiel, den ich seit mehr als zehn Jahren immer wieder von A nach B räumte, aber mich nie überwinden konnte ihn zu entsorgen. 

Darin befand sich ein faustgroßer Ballen aus geschredderten, gepressten Eurobanknoten, die mein damaliger Freund mir von seiner Arbeit bei der Bundesbank mitgebracht hatte. Die meisten Schnipsel sind ca. 1,2 mm breit und 15 mm lang. Durch das Pressen nach dem Schreddern knicken und reißen jedoch einige von ihnen, bei vielen erkennt man auch die leicht gezackte Schnittkante. Daher sieht kein Schnipsel wie der andere aus. Die materialbedingte Farbauswahl schränkt den Spielraum bei Motiven ein, Fluch und Segen zugleich. 

 

Wie lange ich an so einem Bild sitze? 
Das ist, wie man sich vorstellen kann, recht unterschiedlich. Von der Idee, über die Erstellung der Vorlage bis zu dem Moment, in dem es fertig ist, vergehen anderthalb bis 40 Stunden. Für Werke wie Enfant crédible I sind es ca. 16 Stunden, die Weiterentwicklung zu Enfant crédible II hat noch einmal ca. 4 Stunden in Anspruch genommen. 

 

Ein Wort noch zum Thema Präzision:

Die Werke haben "Ecken und Kanten", unsaubere Stellen, verschobene Proportionen, Falten und Flecken. Wie die Geldscheine, aus denen sie gemacht sind, auch. Und das ganz bewusst, denn zu viel Präzision nimmt Interpretationsspielraum.

 

Die Titel verraten ein wenig zu meiner Intention zu den Werken, die Deutungshoheit liegt letztlich aber beim Betrachter. Nur so viel will ich verraten: Kaum eines der Werke kommt ohne Kritik am Kapitalismus aus, ob sichtbar oder nicht. Wobei Kritik hier nicht verfluchen oder weg-wünschen bedeutet. Es wäre sonst ziemlich inkonsequent, die genannten Preise aufzurufen ;-) Die Bilder zeigen Geld aber nicht nur von seiner dunklen Seite, sondern durch die Reduzierung auf das Kleinste auch von seiner schönsten, oft unbeachteten. 

 

Jedes dieser Bilder stelle ich nur ein einziges Mal her. Eine Reproduktion wäre einerseits langweilig und andererseits nahezu utopisch, da die Schredderschnipsel sich zwar ähneln, aber nie gleich aussehen. Im Zuge einer geplanten Ausstellung gestalte ich zur Zeit Großformate, die sich mit den bereits vorhandenen Werken auseinandersetzen. Auch diese sind käufliche Unikate.

 

 

  

 

Vom Foto zum Schreddergeldbild

 

Im Kundenauftrag fertigte ich "Maison Plazanet", welches ein Anwesen in der Normandie zeigt. Die Auftraggeber sind eng mit den Eigentümern befreundet und wollten sich für die vielen schönen gemeinsamen Stunden dort bedanken. Da sie von der Schreddergeld-Technik begeistert sind und im Euro eine symbolische Einigung Frankreichs und Deutschlands sehen, trugen sie ihre Idee an mich heran und betrauten mich mit der Realisierung.

Charity-Aktion mit Patrick Korte

Big Patrick
Big Patrick

Boxer haben Spaß daran, anderen eins auf die Mappe zu kloppen und werden dafür auch noch bezahlt. 

Die machen das doch nur wegen des Geldes und weil sie ihre brutale Ader ausleben wollen.

Da brauchste nix inner Birne, nur inne Mauen. 

 

Gängige Klischees. Und ich muss zugeben, ich habe lange ebenso gedacht. Bis ich zwei Protagonisten meiner Romanreihe einen etwas ungewöhnlichen Sport (als Hobby) ausüben lassen wollte, der auf den ersten Blick nicht zu ihnen passte.

 

Ich befasste mich also mit Technik, Trainingsplänen, Gewichtsklassen, Fachbegriffen und Faszination. Filme wie Rocky und Million Dollar Baby hatte ich zwar gesehen, ließ ich aber bewusst links liegen. Im Roman sollte es nur ein wiederkehrendes Ereignis sein, das Setting und die Begriffe sollten dennoch stimmen. Das war 2013, von Patrick Korte hatte ich bis dahin nie gehört. 

 

Im Jahr 2019 lernte ich ihn im Rahmen seines und meines Engagements für die LVR Christoph-Schlingensief-Schule in Oberhausen kennen. Das erste Mal, dass ich auf einen echten Boxer traf — sympathisch, in sich ruhend, altruistisch und alles andere als aggressiv. Okay, bei meinen 1,68 und 61 kg ein bisschen einschüchternd ob der schieren Größe bzw. Statur, aber sein herzliches Lachen hat das innerhalb des ersten Moments sofort verschwinden lassen. Glücklicherweise bestätigte sich auch, dass ich 2013 meine Hausaufgaben richtig gemacht hatte und es entstand bei einem Gespräch über sein soziales Engagement die Idee, ihn in einem Schreddergeldbild zu portraitieren.

 

Wie geht das zusammen?

 

Natürlich spielt Geld auch im Profiboxsport eine Rolle. Training, Team und Equipment kosten. Hoffnungen ruhen auf dem Sportler, dass sich die Investition lohnt und langfristig auszahlt. Es ist eine Frage von Kraft, Ausdauer, Willensstärke und harter Arbeit, diesen Weg zu bestreiten. (Ich rede immer noch vom Boxen, auch wenn die Schreddergeldbilder mir auch starke Nerven und Ausdauer abverlangen.) Das hat man oder eben nicht. Man kann diese Kombination nicht im Sportfachgeschäft kaufen wie ein neues Paar Handschuhe.

 

Wie wird man so einer beeindruckenden Person also künstlerisch gerecht?

 

Zum einen bat ich Patrick als Grundlage um ein Foto, mit dem er zufrieden ist und das ihn in einer typischen Haltung zeigt. Das darauf basierende Schreddergeldbild „Big Patrick“ ist in rot und weiß gehalten, den Farben seines Heimatclubs Rot-Weiß-Essen und seiner Boxhandschuhe. Mir war während des Entstehungsprozesses wichtig, dass er immer mal wieder einen Blick auf das Bild werfen und sehen konnte, ob er sich darin erkennt, optisch wie in der Interpretation. Für gewöhnlich portraitiere ich auf DIN A5, angesichts Patricks Größe habe ich mich ausnahmsweise für A4 entschieden. 

Mit ca. 37 Arbeitsstunden ist dies eines meiner aufwendigeren Bilder. 

 

 

Die Weiterentwicklung zum Großformat „Mindset“ (100*50 cm auf Alu-Dibond) fand in noch engerer Abstimmung mit Patrick Korte statt, und hat weitere acht Arbeitsstunden gedauert. Der Hintergrund basiert auf einem schwarzen Backsteintunnel und rückt den Blick nach vorn in den Fokus. Sein Team, seine Sponsoren und seine Familie und Fans machen Patrick stark – in erster Linie ist es aber er selbst, der hinter ihm steht, der sein Handeln reflektiert und auf den er sich verlässt. Im Ring ist er auf sich selbst gestellt. Je näher er seinem Ziel kommt, desto klarer wird das Bild, je besser er bei sich ist, desto greifbarer wird der Sieg.

 

 

Versteigerung

"Mindset" wurde im Rahmen einer Facebook-Auktion versteigert und brachte einen Erlös von 450,-, die hälftig an die Professor-Eggers-Stiftung und den Förderverein der LVR Christoph-Schlingensief-Schule Oberhausen gingen.

 

"Big Patrick" wird zu einem späteren Zeitpunkt versteigert.