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Müffeln für die Forschung. Teil I

 

Ich nehme an einer Stinker-Studie teil. Also, eigentlich an einer Erprobung eines „neuen“ Wirkstoffs, der gegen Hyperhidrose eingesetzt wird, aber Stinker-Studie trifft es meines Erachtens trotzdem ganz gut. Weil ich stinken werde. Mindestens 14 Tage lang. Ab morgen darf ich nämlich kein Deo mehr benutzen und damit bricht bekanntlich die Hölle über uns herein. Über uns alle. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich mag den Geruch von Zitrusfrüchten, Jasmin und Orchideen, wie er in vielen Deos vorkommt. Es darf aber auch gern etwas schwerer sein, mein  Lieblingsparfum ist Dolce&Gabbana The One. Was mich aber direkt zum Würgen bringt, ist Schweißgeruch. Ihr wisst schon. Alter Schweiß. Also der, den man riecht, wenn das Deo versagt hat oder man … Ich erspare euch andere Gründe, ihr riecht es ja sowieso schon. Iiiiih. Wie eklig. [Hey, ich hab auch schon was übers Menstruieren geschrieben, vielleicht gefällt dir das ja besser?]

 

Dumm nur: Bereits als Kind habe ich viel geschwitzt, als Erwachsene hat sich das leider nicht zum Positiven verändert. Aber ich kann nichts dafür bzw. dagegen, außer waschen und ein Antitranspirant benutzen. Alle guten Tipps haben nicht geholfen und für Botox oder eine Sympathicus-OP hatte ich nicht die Nerven. Muss ja auch nicht, denn es gibt Aluminiumchlorid-Deos ... Die wiederum standen lange Zeit in Verruf, sind aber nach neuesten Erkenntnissen unbedenklich.

 

So oder so, auch das beste Antitranspirant hält nur die Hälfte der Zeit, was es verspricht. Bei mir zumindest. Zu längeren Terminen habe ich daher immer Wechselkleidung mit, insbesondere, wenn ich mich mehr bewegen muss, als den Arm zur Teetasse zu strecken. Der Leidensdruck ist verhältnismäßig hoch, wenn sicherlich auch zu Teilen eingebildet, da Außenstehende oft gar nicht wahrnehmen, dass man stärker schwitzt. Dennoch klammert man sich an jeden Strohhalm und probiert jedes noch so wenig versprechende Deo aus. Wenn ich zusammenrechne, was ich bereits in Wundermittel und Zauberzeug investiert habe … Am schlimmsten waren zwei hochgelobte „natürliche Deos“ aus dem Internet, die 100 % Schutz bieten sollten, zigtausendfach positiv bewertet waren und schon beim Auftragen versagten.

 

Dann ein unerwarteter Heureka-Moment!

 

Zwischen zwei Youtube Clips lief im Dezember 2019 eine Werbung, bei der ich sofort dachte:

 

„Die meinen mich!“

 

Inhaltlich ging es dabei um primäre axilläre Hyperhidrose, verstärktes Schwitzen im Achselbereich; die gefragten Symptome kannte ich nur zu gut und schrieb daher zuversichtlich die Klinik an, die laut Clip Studienteilnehmer suchte. Ein kurzes Telefonat später hatten wir einen Termin für Anfang Januar vereinbart, in dem ich auf grundsätzliche Gesundheit untersucht werden sollte.

 

Eine junge, sehr nette Ärztin klärte mich über Risiken und Nebenwirkungen des Präparats auf, erhob demographische Daten, ich gab Größe und Gewicht an, meine Haut wurde von Kopf bis Fuß untersucht. Blut- und Urinprobe, EKG, Anamnesegespräch, Messung von Blutdruck, Puls und Körpertemperatur. Eine gute Stunde lang drehte sich alles um die erste Einschätzung, ob ich für die Studie geeignet bin oder nicht.

 

Die Laborergebnisse und die Auswertung des EKG stehen noch aus, prinzipiell komme ich aber in Frage und habe sowohl meine Versicherungsunterlagen (ist bei einer klinischen Prüfung von Arzneimitteln vorgeschrieben) bekommen als auch ein schickes Kärtchen fürs Portemonnaie, auf dem Daten zu Studie und Klinikum verzeichnet sind, für den Fall, dass mir was passiert.

 

 

 

Der für mich besonders harte Teil beginnt dann morgen. Müffeln für die Forschung. Denn ab morgen darf ich kein Deo mehr benutzen, um die Tests nicht zu verfälschen.

 

Ürks.

 

Der Plan lautet: waschen, waschen, waschen.

 

 

Nur wenig Klamotten vollschwitzen und diese jeden Abend waschen, mehrmals am Tag umziehen, alles, was ich in dieser Zeit tragen werde, wird vermutlich eh nicht überleben. Duschen für den Weltfrieden.

 

Nach Möglichkeit keine Termine vereinbaren. Keinen Knoblauch essen.

 

 

 

Nächste Woche wird es dann einen Gravimetrie-Test geben, bei dem festgestellt wird, wie sehr ich schwitze. Spoileralarm: VIEL.

 

Dazu werde ich bei Zimmertemperatur 30 Minuten rumsitzen, meine Achseln getrocknet bekommen, etwas Wasser (ca. 55 Grad Celsius warm) trinken, und bekomme dann Filterpapier unter die Arme geklemmt, das meinen Schweiß auffängt und anschließend in einem externen Labor gewogen wird.

 

Ich werde einige Fragebögen ausfüllen müssen und die Laborergebnisse aus der Vorwoche erfahren. Ob ich genügend schwitze und damit dann dauerhaft an der Studie teilnehmen werde, erfahre ich erst eine Woche später.

 

Wenn, dann gibt es für mich ein Tübchen GPB-Creme 1 %. GPB steht für Glycopyrroniumbromid und soll, lokal angewendet, das Schwitzen als solches vermindern bzw. verhindern. GPB ist nicht neu, daher oben in Anführungszeichen, aber wurde bisher nur zur Inhalation und Injektion gebraucht, nicht aber als Mittel zum Auftragen auf die Haut. Die bisherigen Studienergebnisse (es ist Phase 3b, ich gehöre zur zweiten Tranche Teilnehmer) lassen hoffen; die meisten Probanden gaben an, weniger bis gar nicht mehr zu schwitzen, einige konnten sogar die Anwendung auf eine wöchentliche Dosis beschränken.

 

Das wäre sowas von genial. Dafür nehme ich auch die mehrfache unbequeme Anreise zur Klinik und zwei oder drei Wochen Müffelei in Kauf. Und wenn es nicht klappt, kann ich jederzeit meine Teilnahme zurückziehen und mir dann noch mal den Aufklärungsbogen für Botolinum toxin zu Gemüte führen.

 

Ihr dürft mir die Daumen drücken, ich berichte bald wieder.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Grüne Ronja (Mittwoch, 15 Januar 2020 10:55)

    Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg. Ich schwitze zum Glück nicht übermäßig, Deos haben trotzdem häufig versagt. Jetzt mache ich mein eigenes Deo und karg ist auch ganz begeistert von dem :D

    Liebe Grüße und viel Kraft, auch an Henning und Audrey ;)
    Ronja

  • #2

    Larissa Schwarz (Mittwoch, 15 Januar 2020 15:00)

    Danke, liebe Ronja.
    Mit Selbstgemachtem habe ich es vor einiger Zeit auch mal probiert, hatte aber leider nicht den gewünschten Effekt.
    Sollte die Creme nicht funktionieren, komme ich mal auf dein Rezept zurück <3
    Liebe Grüße
    Larissa