Off-Topic: What is love? – Wie man einem Alien erklärt, was man selbst nicht versteht.

 

Lieber Paul,

 

in unserem letzten Gespräch fragtest du mich, was Liebe ist. Ich hatte keine Antwort parat. Doof, so als Autorin, ich weiß. Gefühle zu beschreiben ist aber auch mit eine der schwierigsten Aufgaben – echt jetzt.

 

Aus biochemischer Sicht ist Liebe schnell erklärt. Eine glückliche Mischung aus Oxytocin (Kuschelhormon), Serotonin (Stimmungsaufheller) und Dopamin (Glücksempfinden) wird zu einem Cocktail, der Libido und Bindungsfreude steigert. In regelmäßigen Abständen und höheren Dosen zu sich genommen, hat er irgendwann Depotwirkung. Das sorgt dafür, dass man den geliebten Menschen langfristig als Gefährten betrachtet und mit ihm alles teilt. Ja, auch die Pizza und den Rotwein. Ich weiß, völlig verrückt.

 

Wenn sich Liebe auf Kinder bezieht, gibt man ihnen übrigens keinen Rotwein. Denen verzeiht  man dann, dass sie den geliebten Cashmere-Pullover mit Karottenbrei ruiniert haben. Und ja, daraus ergibt sich, dass man nicht nur zu Menschen, sondern auch zu Gegenständen eine Art Liebe entwickeln kann. Noch verrückter. Ich weiß.

 

Dass man selbst Immaterielles lieben kann, klingt jetzt womöglich weit hergeholt, aber auch Musik und Kunst können dieses intensive Gefühl hervorrufen. Ich sag ja: Wir Menschen sind komisch. Aber das weißt du inzwischen genauso gut selbst.

 

Hormone an sich kann man übrigens nicht fühlen. Die verursachen im Körper bloß Kettenreaktionen. Heimlich, still. Die führen dann dazu, dass man immer wieder die Entscheidung für einen Menschen oder eine Sache trifft. Jemanden oder etwas zu lieben ist wie ein Ja-Abonnement. Du siehst, riechst, schmeckst, fühlst oder hörst die Person und ohne darüber nachzudenken, spuckt dein Hirn ein „Ja, will haben“ oder „Ja, Pizza teilen“ oder „Ja, in den Arm nehmen“ aus. Fühlt sich toll an. Und funktioniert ganz automatisch. Wie dein Auto-Pilot im Raumschiff. Nur mit besserem Navi. Wenn dein Körper auf Liebe programmiert ist, findet er den Weg zum Geliebten. Und landet nicht auf der Erde, obwohl er eigentlich nach Kappa Andromedae will. Wobei ... Sagen wir: meistens. Aber das erkläre ich dir ein anderes Mal.

 

Philosophisch betrachtet ist die Liebe eines der meistdiskutierten und daher auch am schwierigsten zu beschreibenden Gefühle. Für uns Menschen ist sie so schwer zu verstehen, weil sie einfach da ist. Wie dein Raumschiff. Ich habe keine Ahnung, wie es konstruiert ist, wo genau die Einzelteile herkommen und warum es funktioniert. Aber ich weiß, dass das Fliegen damit unheimlichen Spaß macht und dass es Pflege, Treibstoff und Wartung benötigt.

 

Ganz nebenbei: Die Liebe fällt auch einfach vom Himmel und stellt vieles auf den Kopf. Und da wir sie weder sehen noch anfassen können, haben wir noch mehr Probleme damit, sie zu begreifen. Oder zu erklären. Und da wir so viele Menschen sind und jeder Liebe anders empfindet, beschreibt sie jeder auch ein wenig anders.

 

Um es aber ganz kurz zu sagen, denn danach hattest du ja gefragt: Liebe ist das schönste, was einem passieren kann. Wie Pizza. Und Rotwein. Im Raumschiff, das nach Kappa Andromedae fliegt.

 

Alles Liebe,

 

Larissa

 

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